Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Meine Antwort auf die Blog-Philippika seitens SZ

2 Kommentare

Der Artikel der SZ „Abgebloggt“ verfolgt eine mir sehr gut bekannte Linie: die Presse sei Autorität, die Blogs seien bestenfalls Amateurwerke. Daher seien die Blogs ungeniessbar, kauft lieber die Zeitung, da steht alles drin.

Immerwieder stösst man auf solche Vorurteile gegenüber den Blogs. Man merkt nicht, dass man über zwei unterschiedliche Medien spricht, die parallel laufen und einander wohl kaum 100%tig ersetzen werden. Und was denkt Ihr zu diesem Thema?

Da ist übrigens mein Lesebrief, den SZ vielleicht gar nicht abdrucken wird.

Ich fürchte, dieser Artikel bezweckt genau das, was er kritisiert. Er tadelt die neuen Medien für die abwesende gesellschaftliche Relevanz, betont aber auch die gesellschaftliche Unwirksamkeit der Blogs in Deutschland. Er baut damit immer mehr Barrieren und scheint dadurch die Entwicklung dieser gesellschaftlichen Relevanz zu erschweren (da die Leserschaft die Dar- und Vorstellungen des Autors auf die für sie eventuell wenig bekannte deutsche Bloglandschaft extrapoliert).

Die unzählige Bloggemeinschaften, die unter dem Zeichen Social Networking entstanden sind, haben auch in Deutschland durchaus eine gesellschaftliche (und immer steigende) Relevanz, die müsste man hervorheben und unterstützen.

Die Hauptangst, die hinter der Kritik steckt, ist die der Zerstörung von Autorität Presse durch die unzähligen „Amateure“. Man betrachtet diese Situation als eine Opposition „Presse vs. Blogs“, was meiner Meinung nach gesellschaftlich verheerende Folgen haben könnte. Denn warum immer diese Opposition? Warum keine Kooperation oder Ergänzungsangebot?

Das stimmt, die Blogs sind durch ihre Subjektivität ausgezeichnet, sie leben praktisch von dieser Eigenschaft, die bei den herkömmlichen öffentlichen Medien nur sehr gering (höchstens in Glossen) vorkommt. Die Blogs sind jedoch in ihrer unstimmigen und widersprüchlichen Vielfalt teilweise vertraunswürdiger als eine Zeitung, die sich oft der fehlerhaften Quellen bedient (Stefan Niggemeier hatte ja auch die dpa-„faux pas“ öfters in seinem Blog konkretisiert und bezog sie keineswegs nur auf die B*-Zeitung). Genauer gesagt: bei den Zeitungen setzt der Leser oft die Nachrichtenrelevanz voraus – und öfters wird irregeführt. Die Blogs erheben keinen Anspruch, authentisch zu sein. Sie sind authentisch in ihrer Subjektivität. Die Blogs sind in erster Linie Meinungsabbildungen, und erst in zweiter (oder dritter) Linie Informationsquellen. Und vor allem: die Blogs sind Redaktionsunabhängig, der passionierter Blogger schreibt nicht, um das Geld zu verdienen oder unter Corporate Identity eine Meinung der Vorgesetzten zu vertreten, er schreibt als ein Einzelindividuum, aus Überzeugenheit.

Ich denke, die Blogs und die herkömmlichen Medien sind gleichwertig existenzberechtigt – beide Medienarten haben ihre Stärken und Schwächen. Daher müsste man die Blogs an sich publik machen, erweitern und auszeichnen, statt Philippika zu halten und die Leserschaft abzuschrecken.

Übrigens, wer ist diese finstere Gestalt auf dem Foto zum Artikel? Wenn damit die Presse personifiziert sein sollte, werde ich sie mit noch mehr Vorsicht geniessen.

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2 Kommentare zu “Meine Antwort auf die Blog-Philippika seitens SZ

  1. … merkt nicht, dass man über zwei unterschiedliche Medien spricht, die parallel laufen und einander wohl kaum 100%tig ersetzen werden

    Richtig. Zeitungen und Blogs sind voneinander unterscheidbare Medien. Es sollte [ m.E. ] nicht zu: Zeitungen vs. Blogs führen. Haben sie [ noch! wer weiß jetzt schon, was die Zeit mit sich bringt ] eine parallele mediale Daseinsberechtigung in ihrem jeweiligen Sosein.

    Es stellt sich die Frage: Warum nur sehen sich manche bezahlten JournalistInnen in Konkurrenz zu manchen unentgeltlich tätigen BlogschreiberInnen?

    Gruß
    PB

  2. Genau, es geht ja oft bei solchen Gegenüberstellungen um das Wesentliche, und das Wesentliche ist in dem Fall leider weder Form, noch Inhalt, sondern das Finanzielle…

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