Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

@bsolut privat: 4. Juni

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Daniel Chodowiecki (1773)
Um 5 1/2 Uhr gefrühstückt und nach Königsberg (Neumark) abgereist. Über die Oder gesetzt. Das Pferd fürchtete sich vor der Fähre; als diese ankam, stieg ich ab und betrat sie zu Fuß. In Freienwalde hatte ich ihm vor derb Abreise Brot gegeben. Es hatte sich nicht gelegt. Beim Verlassen der Fähre traf ich einen Postillon, der zu Pferd nach Königsberg zurückkehrte, aber wir blieben nicht lange beisammen. (…) Um 11 Uhr in Königsberg angekommen, das sind gute vier Meilen. Ich trank Kaffee, ließ dem Pferd eine Metze Hafer geben und ein großes Stück Brot mit einer Flasche Bier. Ich sattelte es ab, aber es legte sich nicht wieder. (…) Um 3 1/2 Uhr abgereist, kam durch mehrere Dörfer und um 7 Uhr nach Bahn. Dies ist gegen die vorhergehende eine sehr unbedeutende Stadt. Im nächsten Dorfe namens Rohrdorf, eine halbe Meile von Bahn wollte ich bleiben, kam um 8 Uhr zu braven Leuten. Zum Abendessen Rühreier. Das Pferd hat 2 1/2 Maß Hafer gefressen und zwei Stück Brot mit einer Flache Bier. Es schien mir, als hätte es sich gelegt, es kommt mir so vor, als sei es abgemagert und halbe Kopfreißen, beständig schnauft es und aus den Nüstern läuft ihm Feuchtigtkeit.

Ein Pferd ist ein gar komisch Mensch.
Ich hatte nur mit einem Pferd eine nahe Beziehung. Er hiess Amigo, war uralt und tolerant wie Dalai Lama.

Er lief langsam, und das, was man als „Galopp“ zu bezeichnen pflegt, war eher eine Zeitlupenerscheinung. Ich bin nie runter in das feuchte dunkle dreck unter den hufen niedergefallen, nie war ich unten, stets war ich oben. er (ich meine es) hörte auf mich, er (ich meine es) schaute mich stets mit verwunderung an. er (ich meine es) hat nie rebelliert. als wir mit ihm unterwegs im walde umherritten… „ritten“ ist da wohl ein falscher begriff… umherschlichen, dann wollte ich das pferd doch etwas lebendiger sich unter mir regen sehen, und ich fing an, mich auf dem pferde zu springen und zu schreien „so los, schneller, was kriechst du wie eine schnecke?“ darauf hörte amigo mit seinen gang auf er blieb inmitten des waldes stehen und schaute mich an ich kann diesen anblick nie vergessen er schaute mich voller verwunderung an.

Und ich verstand: mit Gewalt geht nichts. Möchtest Du dich fortbewegen, musst Du es auch wollen. Aber nicht stürmisch, sondern wie eine Brise: leichten Schrittes, langen Fluges.

(Zur Ausstellung @bsolut Privat: http://tagwerke.twoday.net/topics/Station+Frankfurt)

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