Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

赤い点: Der rote Punkt

2 Kommentare

Ermutigung […], etwas weniger nach vermeintlicher Sicherheit zu schielen,
und etwas mehr zu wagen.
Martin Blankenmeyer an der VGF-Verleihung

Einen wunderbaren Film habe ich gestern gesehen: „赤い点: Der rote Punkt“.derrotepunkt-plakat

Zur Handlung:

Aki Onodera, eine japanische Studentin, entdeckt im Abstellzimmer ein mysteriöses Paket wieder, das ihre Familie ihr schon immer vorgehalten hat. Mit der Ausrede, sie wird dieses Paket irgendwann öffnen dürfen, wenn sie erwachsen wird. Aki ist diesmal – zurecht – voller Ungeduld, und so öffnet sie es endlich.

Darin findet sie etwas äußerst wichtiges, und für sie kaum bekanntes, was aber sehr viel über Ihre Familie verrät. Und was ihre Reise nach Deutschland veranlasst – zu dem schicksalshaften Ort, der mit einem roten Punkt auf der Karte irgendwo im Ostallgäu markiert ist.

In Deutschland angekommen begegnet sie einer bayerischen Familie, und diese Begegnung ist ebenso in allen Bedeutungen schicksalhaft…

Zum Film:

Ein unglaublich stiller, aber unglaublich starker Film.
Bereits seit den ersten Minuten zieht er in seine Bahn – und lässt nie wieder los. Auch nachdem man den Kinosaal verlassen hat. Hier werden zwei Welten gezeigt, zwei Kulturen, die zueinander finden. Japan und Deutschland. Und das mit auch heutzutage seltener Authentizität.derrotepunkt-3

Leider sind die meisten Streifen über interkulturelle Beziehungen, besonders wenn es um Japan und Ausland geht, voller Stereotypen und Klischees. (Ich schweige schon über „Lost in Translation“, das ein äusserst verzerrtes und euro/amerikozentrisches Bild von Japan zeigte).

Doch „Der rote Punkt“ ist wie eine Offenbarung. Frisch und unvoreingenommen. Und auch wenn hier und da landesspezifische Zeichen vorkommen, dann werden sie mit Ironie und Augenzwinkern behandelt. Es wird Japan und Deutschland im Alltag gezeigt – jenseits von Kimono und Dirndl, jenseits von Teezeremonien und Oktoberfest. Es wird Realität gezeigt – aber weit weg von pseudorealen Dogmen von Lars von Trier und ähnlichen prätentiösen aber leeren Hülsen einiger international anerkannten Regisseure, die zwar andere Kulturen zeigen möchten, aber im Endeffekt lediglich die eigene Stereotypen im Grossformat präsentieren…

Die Realität des Films „Der rote Punkt“ ist so glaubwürdig, dass man sich erst gar nicht wundert, als man erfährt, dass die schicksalshafte und einzigartige Handlung teilweise den wahren Begebenheiten entspringt. derrotepunkt-8

Es ist auch schwer zu glauben, dass dieser faszinierende Film eine Abschlussarbeit von Marie Miyayama, der japanischen Studentin an Hochschule für Fernsehen und Film München ist. So reif und so perfekt ist dieses Werk – auch ohne jedweden erhobenen Anspruch auf das Perfektsein.

Die Arbeit von Yuki Inomata, die die Hauptrolle spielt, überzeugt seit der ersten Kameraeinstellung. Man vergisst eigentlich nach der ersten Kameraeinstellung über die Einstellungen und über die Kameras, über alles. Die Schauspielerein startete bereits seit ihrem 15. Lebensalter ihre Filmkarriere – als Schauspielerin und Fotomodel, aber auch als Drehbuchautorin und Regisseurin. Bei guten Schauspielern merkt man nichts, was als „Professionalität“ gelten sollte. Die guten Schauspieler gehen in ihren Rollen auf – so auch Yuki Inomata: sie spielt ohne zu spielen, sie ist authentisch und echt, sie verschmelzt mit ihrer Rolle. Und man möchte jedes mal ausrufen, wie es Stanislawski tat, als die Schauspieler ihn überzeugten: „Ich glaube es!“.

Auch andere Schauspieler – wie der aus vielen TV und Kino-Produktionen bekannter Hans Kremer, und auch Orlando Klaus, der den jungen rebellischen Sohn spielt, einfach alle Schauspieler strahlen vor Charisma der Glaubwürdigkeit – was zweifelsohne ein Verdienst der Regisseurin Marie Miyayama ist.derrotepunkt-9

Die Musik hat mich auch sehr positiv gestimmt: es ist nicht an eine Kultur gebunden, es ist über jeglicher Landesspezifik – und trotzdem unterscheidet sie sich sehr in ihrer Begleitung in japanischen und deutschen Szenen. Leise und verträumt, ein Bisschen Satie, eine Prise Nyman – und der Rest ist die Einzigartigkeit und Originalität, die mit dem Film harmoniert und verschmelzt.

Das ganze Film-Team hat eine grossartige Arbeit geleistet. Daher ist es auch sehr leicht nachzuvollziehen, warum dieser Film bei den 42. Hofer Filmtagen Förderpreis Deutscher Film erhalten hat. Es ist auch ganz klar, weshalb der Filmproduzent Martin Blankenmeyer den VGF-Förderpreis bekommen hat. Er hat es einfach verdient.

Summary:

Diesen Film vergisst man nie. Er ist in meiner Erinnerung mit einem roten Punkt markiert. Dies ist einer der wenigen Filme, bei denen man sofot vergisst, dass man im Kinosaal sitzt. Und einer der wenigen Filme, die so virtuos alle Stereotypigkeiten und Klischees vermeiden, wenn es um interkulturelle Begegnungen geht.

Jetzt bin ich gespannt auf weitere Produktionen der Regisseurerin Marie Miyayama. Und der Schauspielerin Yuki Inomata.

Trailer:

Der Film läuft ab 4. Juni 2009 in Kinos.

derrotepunkt-1

Weitere Links

Offizielle Website: http://www.derrotepunkt-derfilm.de
Termine: http://www.derrotepunkt-derfilm.de/termine.html
Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Rote_Punkt
Verleih: http://www.movienetfilm.de/punkt/index.php

Bilderquellen:
http://www.derrotepunkt-derfilm.de/galerie.html
http://www.movienetfilm.de/punkt/pressefotos.php

P.S. Ehrlich gesagt, wollte ich auch etwas kritisches über diesen Film schreiben, damit meine Rezension nicht so einseitig aussieht. Ich habe aber nichts gefunden, was ich kritisieren könnte.

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2 Kommentare zu “赤い点: Der rote Punkt

  1. Deine Rezension ist phantastisch. Ich werde gleich mein Taschengeld zurück legen und eine Kinokarte erwerben!

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