Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Ein Nicht-Ort und ein Doch-Ort.

8 Kommentare

Werter Leser.

Es gibt viele Lebensorte. Es gibt viele Bücher.
Es gibt viele Bücher, in den Sie gerne leben wollten.
Es gibt viele Bücher, die Sie besser (empirischerweise) vermeiden möchten.

So lassen wir eine Synthese unserer Lese-Art und Lebens-Art aufzeichnen. Indem ich Euch über die These und Antithese nachfrage.

Also. Wenn Sie eine Möglichkeit hätten, in einem Literaturwerk weiterzuleben, zu existieren, zu schaffen…

These:

…In welchem Buch hätten Sie gerne gelebt? Und warum?

Antithese:

…In welchem Buch würden Sie nie im Leben… ehm… leben? Und weshalb? 

Dabei als Faustregel gilt: ein Buch muss nicht unbedingt schlecht sein, auch wenn man dort nie Fuss fassen möchte. Und vice versa.

Hier sind meine Lebens-Vorstellungen (wird wohl ständig fortgesetzt).

These:

  • Das Foucaultsche Pendel (pfiffige mystische und mystifikatorische Brainstormings in modrigen Büros und historischen Burgs)
  • Glasperlenspiel (postmodern und escapistisch, da kann man leben, was sage ich, „leben“ – da kann man SEIN!)
  • Die Mars-Chroniken von Ray Bradbury (viele Aspekte, die Bewohnbarkeit des Unbewohnbaren etc.)
  • Ursonate von Schwitters (asematisches Leben als ein modus vivendi)

 

Antithese:

  • Doktor Živago“ von Pasternak (anfangs kalt, dann unwirtlich, am Ende unerträglich)
  • alle Werke von Dostoevski (vielleicht noch gut zum lesen, doch nicht zum leben)
  • wohl doch alles von Kafka (gut, bei all der Genialität, ist es zu real für mich – fürs Habitieren)
  • House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski (die Labyrinthe mag ich, doch man kann sich ganz böse verirren)

Und was ist mit Ihnen, werter Leser? Ich freue mich auf Eure eigenen Vorstellungen, denn nur dadurch werden die Thesen und Antithesen zur Synthese vereint.

Ach, und hier ein Bild, das mit dem ganzen nur am Rande was zu tun hat.

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8 Kommentare zu “Ein Nicht-Ort und ein Doch-Ort.

  1. Keinesfalls leben wollte ich in den Erzählungen des H.P. Lovecraft, wo es an allen Ecken das namenlose Grauen gibt.

    Begleiten würde ich gern Mark Twain auf seinem „Bummel durch Europa“ Auch schön: Jerome K. Jerome; „Drei Mann in einem Boot, und auch noch der Hund“, wobei der Hund ruhig an Land gehen könnte.

    • Ja, H.P. Lovecraft ist schon unheimlich. Und vor allem – höchst instabil. Da kann sich überall auf einmal ein Portal in die andere Dimension öffnen, mit allen Konsequenzen daraus.

      Und mit Mark Twain bin ich auch einverstanden – ich mag seine Beschreibungen von Reisen am Rhein. Der war an sich ein heller Geselle.

  2. Gerne lebte ich das Leben eines Casubon, weniger gerne als Roquentin oder Meursault. Am ungernsten als Erwin Sommer oder Erich Zann.

    Das Bild empfinde ich als ähh Strafkolonie.
    Krrratzzz

    • Ja, genau Casaubon habe ich gemeint, er hatte einige spannende Begegnungen

      Das Bild stammt aus einem Park mit Lokalkolorit. War eher etwas wie ein Simulakrum des Bauernhofes. Aber für mich – und ohne Internetzugang – wäre ein solcher Ort zu einer Strafkolonie geworden. 🙂

  3. „Watt“ von Beckett und damit auch die anderen Romane von „Molloy“ bis „Wie es ist“. In diesen Welten des Absurden fühlte und fühle ich mich heute noch irgendwie zu Hause. Paradox?

    „1984“ von Orwell ist eine Welt, in der ich nie leben möchte. Sie verkörpert für mich das absolute Grauen.

    • Das Absurde ist fürwahr eine der besten Dimensionen zum existieren.

      Und 1984 ist nur vielleicht im Antik-Laden noch irgendwie zu ertragen. Bis man erfährt, auf welcher Seite der Verkäufer, Mr. Charrington, steht.

  4. Gerne leben und weben :))
    1. „Der Wörter“ von Jeans-Paul Sartre.
    2. „Narziß und Goldmund“ von Hermann Hesse.

    Keinesfalls:
    1. „Das Schloss“ von Franz Kafka.
    2. „Die Nashörner“ von Eugène Jonesco.

    Nicht ohne Neugier:
    …“Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri.

    • Weben ist schön, das machen die Moiren auch! Ich möchte auch ein Teppich des Lebens weben. Und in die „Göttliche Komödie“ würde ich auch gerne reinschnuppern, unverbindlich. 🙂

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