Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Transmedialisierung der Literatur, oder Auch da ist dada

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Meine Skepsis gegenüber dem Hype um iPad erlitt Niederlage, als ich folgende Version von „Alice in Wonderland“, speziel für iPad konstruiert, sah.

Für manche seien das Spielereien am Rande des Literarischen, für mich jedoch – eine neue, noch nie dagewesene Ausdrucksmöglichkeit.

Und heute hat Perlentaucher mir aus dem Herzen gesprochen:

es geht im Bericht „Tanz der Letter“ um die neuen Möglichkeiten, die iPad bietet. Das Buch verliert zwar seinen blättrigen Charme, doch gewinnt an Dynamik und Interaktion mit dem Leser.

Freilich, wurden die Texte bereits von Dadaisten (aber eigentlich auch noch lange vor ihnen) den textlichen Rahmen entrissen, zerwurbelt in der Zweidimensionalität der Seite. Und auch Derrida mit seinem „Glas“, und auch Mark Z. Danielewski mit seinem „House of Leaves“ haben grossartige Beispiele geleistet. HouseOfLeavesPage134
(Eine Seite aus „House of Leaves“)

Doch parallel mit Schriftstellern haben die Designer eine andere wunderbare Text-Metamorphose für sich entdeckt: kinetic typography, animated typography (die Bezeichnungen dafür sind so vielzählig wie Beispiele).

Hier sehen Sie diese Dynamik am Beispiel von Schwitters Ursonate:

Die Texte bewegen sich, sie leben, sie werden modifiziert und modifizieren den Text. Was für ein Eigenleben!

Freilich, wird uns hier nur die eine oder andere Art der Textvisualisierung vorgegeben, doch ist es denn nicht immer so?

Kurz, mit iPad kommt endlich die Möglichkeit, die transmedialen Texte vom Bildschirm zu trennen und mit sich überall hinzutragen. Bequemlichkeit? Ich sage: Bestimmtheit des Textes. Ein un-träglicher Text kann un-erträglich sein. Ein statischer Text kann noch im Holzformat getragen werden, jedoch ein transmedialer Text – nicht mehr.

Ich warte aber ab mit dem Erwerb von iPad, bis die transmediale Literatur soweit ist. Ich denke, ich beschleunige mal den Prozess mit meiner eigenen Beteiligung.

Hier ist ein anderes Beispiel: die ganze Welt als Text. Ja, alle Beteiligten sind zu zweidimensional in ihrer Dreidimensionalität. Doch diese Schwäche ist wiederum die Stärke. Hemingway war auch 3d in 2d.

Das erinnert mich übrigens etwas an meine EklaTante – aber nur ein Bisschen.

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