Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Wegretuschiert, oder Bestes Geschenk zum Bloomsday

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Manchmal kommen viele Dinge zusammen (wie es Herr Faust im vorherigen Blogeintrag bereits zum Ausdruck brachte). Ich habe hier über Joyce geschrieben, und auch über iPad als Literatur-Überträger, und siehe da!

Prompt zum Bloomsday wollte der Grafiker Rob Berry sein für iPad adaptiertes Werk „Ulysses Seen“ veröffentlichen, berichtet DieZeit. Es war eine Comic-Geschichte über Leopold Bloom.

Doch!

Kurz vor der Veröffentlichung hat Apple die Geschichte abgelehnt. Warum?

Darum:

us_comic_tel_0066_16

Quelle: Boingboing.

Auch wenn man es nicht richtig sehen kann, sieht Ihr es richtig: Herr Bloom springt ins Wasser completely näkisch (zugegeben, die Komposition des Bildes lässt das Nebensächliche zentral erscheinen).

Also hat Apple schon wieder zensiert, und zwar etwas ziemlich harmloses (ich frage mich, ob BILD mit seinem App auch bei iPad vertreten ist…).

Dies ist eine ziemlich unschöne Tendenz, die man bei Apple seit längerem beobachtet: man zensiert, man lehnt Sachen ab, man spielt einen Puristen und Heuchler. Also, muss ich meine enthusiastische These von vorhin etwas korrigieren bzw. eindämmen: iPad ist wunderbares Werkzeug für Transmediale Literatur, hat aber (bei der jetzigen Tendenz) wohl doch keine Zukunft, da es in falschen Händen ist.

Versteht mich bitte richtig, ich bin keineswegs für die masslose Abbildungen der Fortpflanzungsorgane in der Weltliteratur. Ich bin sogar eher kein Fan der Thematisierung des Körpers in der Kunst (zu primitiv und banal, meiner Einsicht nach). Doch wenn man bereits solche Kleinigkeiten zensiert, dann frage ich mich, was mit dem Rest der Weltliteratur passieren soll, deren Zielgruppe ja sich keineswegs durch eine vorpubertäre Unschuld auszuweisen vermag.

Schade auch, dass sich der Autor sofort auf die Zensur eingelassen hat und, wie die Zeit berichtet, dem Herrn Bloom „Penis entfernt“ hatte. Was für eine grausame Lösung. Hiermit bitte ich werte Leser, von weiteren Freudschen Analysen abzusehen, da ich, wie gesagt, kein grosser Fan von Freud bin.

Oder, wie Faust neulich twitterte:

Du hörest ja, von Freud ist nicht die Rede.

Vielen Dank an Philipp Meier für das Info!

P.S. Es scheint, Apple hat es doch eingesehen, und die Applikation zugelassen, wie 20min berichtet. Wobei aus dem Artikel geht immernoch ein seltsames Bild von Apple hervor: ihre wählerische Löschtaktik jenseits aller menschlichen Logik.

Naja, vergessen wir es. Denjenigen, die aber von der Zensurdiskussion ermüdet sind, empfehle ich, direkt die Geschichte von Rob Berry „Ulysses Seen“ anzusteuern. Sehr Magrittesque, übrigens.

http://www.ulyssesseen.com/

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