Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Der Anfang der Fotomontage

5 Kommentare

Raoul Hausmann und Hannah Höch waren eines Sommers privat am Baltischen Meer, als es passierte.

Ich meine, ES: Der Anfang der Fotomontage! (Was haben Sie denn gedacht?..)

Gut, natürlich, gab es Fotomontage auch vor ihnen, die Futuristen haben’s getan, und Kubisten, und Picasso, und Braque…

Doch als Hausmann mit Hannah Höch auf der Insel Usedom künstlerisch und privat unterwegs waren, fanden sie fast in jeder Fischerstube etwas äusserst seltsames, was Hausmann als eine Art Blitz getroffen haben soll.

Die Fischersöhne, die Wehrdienst leisteten, hatten eine personifizierte Memorabilia (wieso gibt es eigentlich kein Singular für Memorabilien?!) aus dem Dienst mitgebracht.

Fotomontage

Source: http://www.all-art.org/art_20th_century/hoch1.html

Offensichtlich war zunächst ein mal ein Muster mit stehenden Soldaten in verschiedenen Uniformen gefertigt. Anschliessend hatte der Photoshopgraph einfach die Köpfe der Modelle durch den Kopf des Fischersohnes vielfach ersetzt – geklont, wenn Sie möchten.

Diese Photographien – nein, eigentlich waren es Öldrücke – hingen in jedem Haus mit dem einzigen Unterschied – dem jeweilig anderen Gesicht. Diese „kitschige Naivität“ (Höch), dieses Simulacrum des Historischen, dieses Serienpathos hat Hausmann zutiefst beeindruckt, und Hannah Höch nahm ein Bildnis mit (s. oben) und unterschrieb es

Der Anfang der Fotomontage

Leider habe ich hier kein besseres Bild davon, aber für diejenigen, die das interessiert: auf den Säulen steht folgendes.

Links: „Einigkeit macht stark
Rechts: „Mit Gott für König und Vaterland
Unten: „Zur Erinnerung an meine Dienstzeit
Oben: „Es lebe hoch das deutsche Heer / Des Vaterlandes Schutz und Wehr

Bezeichnenderweise hat der brave und unbehütete Soldat links ein Bierglas neben sich stehen. Heroisch!

So hat’s angefangen, und in Berlin blühte bald darauf Fotomontage als eine Lieblingswaffe des Berliner Dadaisten.

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5 Kommentare zu “Der Anfang der Fotomontage

    • Gern geschehen. Solche Details sind weniger bekannt, dafür aber umso sympathischer. Ich finde es aber auch interessant, dass auch heutzutage jeder mit Photoshop oder anderen Grafikbearbeitungsprogrammen ausgerüsteter Mensch (mich inklusive) der Versuchung nicht wiederstehen kann, die Gesichter zu klonen und Bilder zu fälschen modifizieren. 🙂

  1. Toll, was man hier alles lernt!

    • Oh ja, vor allem zeigt es, wie beobachtungsbegabt die Dadaisten waren. Nichts ist ihnen entgangen, sogar die Bilder in Fischerhäuser. Und wohin das ganze dann führte! 🙂

  2. Nicht schlecht wieder ein stück schlauer.
    Danke !

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