Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Mein Senf dazu.

9 Kommentare

Am 19. Juli ab 22.45 empfehle ich Euch, liebe Freunde, bei arte einzuschalten.
Dort läuft nämlich das Themenabend „Web 2.0 – Die digitale Bombe“.arte-digbo

Bereits im Vorfeld zu diesem Abend wurden mehrere Sprachröhre der oder einer anderen Zielgruppe interviewiert, wie beispielweise Andrew Keen, der Große Medienpessimist, sowie David Rowan, Chef-Redakteur der UK-Ausgabe von „Wired“. (Komplett vorhanden hier)

Auch wenn Rowans Optimismus bezüglich der neuen Medien ab und zu zum pessimistischen überschwappt – bleibt er Optimist.
Das stimmt schon:

  • freie Meinungsäusserung verleiht Flügel zum öffentlichen Vandalismus
  • Mob-Mentalität kann dazu führen, dass diese Meinungsfreiheit zweckentfremdet für irgendwelche niederen Instinkte der Personen führen kann, die es öffentlich zu wenig Mumm haben auszusprechen, anonym aber sind sie gut gewappnet
  • auch Datenschutzprobleme können zu einem Verhängnis werden in der kontrollierten Gesellschaft

Doch bleibt er trotzdem Optimist, im Gegensatz zum Medientraditionalist Keen.

Andrew Keen hat nichts verstanden – das möchte ich mal behaupten, auch wenn er – und nicht ich – ein kritisches Buch über Web 2.0 geschrieben hat.

Denn er sieht Web 2.0 als etwas bösartiges – wo es doch nur ein Werkzeug, ein technisches Mittel ist. Was ist eigentlich Web 2.0? Es ist kein pars pro toto für den Untergang der Gesellschaft, es ist auch kein Metapher für geistige Verarmung.

Web 2.0 sind Werkzeuge, die von Menschen für Menschen zur Verfügung gestellt sind. Mit Hammer und Nagel kannst Du ein Bild aufhängen, oder Menschen foltern – es liegt an Dir, wofür Du dich entscheidest.

Die kreative Werkzeuge sind wertneutral.

Doch Mr. Keen sieht folgende Anzeichen der medialen Apokalypse:

Web 2.0 ist ein „Todesurteil für die traditionellen Medien“.

Stimmt schon, die traditionellen Medien werden schon längst verdrängt. Doch ob es an der Bösartigkeit des Web 2.0 liegt? Oder vielleicht eher daran, dass traditionelle Medien meine persönlichen kulturellen Bedürfnisse nicht befriedigen können?
In den traditionellen Medien herrscht die Quote und Mainstream über dem Content. Keine Experimente, keine Abweichungen. Kampf ums Überleben (zu Kosten des Überlebens). Verblendung. Stereotypisierung.
In Web 2.0 kann ich mir die Inhalte selbst zusammenstellen. Möchte ich keine Klischees? Suche ich nach dem passenden Channel.

„Gleichzeitig gewinnen die vom Mob beherrschten Amateurmedien im Internet an Bedeutung.“

Mit der Arroganz desselbigen Andrew Keen antwortend: Mob rezipiert Mob. Da es aber eine grosse Auswahl an Inhalten gibt, wird Mob von mir beispielweise ignoriert. Und zur Meinungsbildung durch Mob wird es nicht kommen, da es so viele Kontroversen und Oppositionen zu diesem Mob im Netz existieren. Es werden sicherlich Lager gebildet, aber nicht die Meinung.

Die traditionelle Medien bilden jedoch durchaus Meinung – ob ich damit einverstanden bin oder nicht. Die hatten schon immer diesen autoritären Schatten auf die Gesellschaft geworfen.

Problem mit der Bezahlung

Darum geht es eigentlich. Das ist das eigentliche. Doch: wenn mich traditionelle Medien überzeugen, bezahle ich dafür. Und nur in dem Fall. Ja, ich kaufe die Zeitschriften oder Zeitungen, die mich interessieren, ich, der Web 2.0 Bewohner. Was mich nicht interessiert, ignoriere ich.

Denn die alten Medien aus dem Schlaraffenland, vom einstigen Monopol verwöhnt, denken gar nicht an die Rezipienten. Und das ist deren eigentliche Grund für den Untergang.

Das Publikum ist sensitiv. Wenn es Verlogeheit spürt, sucht es einfach weiter.

Wenn die Medien untergehen, dann tun sie nur wegen der eigenen Trägheit, Experimentierfeindlichkeit und Quotenwahn. Die anderen Medien bleiben erhalten. Weil sie an das Publikum denken. Mal schauen, was übrig bleibt.

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9 Kommentare zu “Mein Senf dazu.

  1. Ich bin auch der Meinung, das Internet ist amoralisch

  2. Ich stimme Dir voll und ganz zu. Wie immer wird das Neue verteufelt. Menschen kleben wie Pech am Herkömmlichen. Das Internet ist existent. Uns bleibt nur, sich ihm zu stellen und es als Werkzeug zu benutzen. Gestalten wir mit ihm unsere Welt. erobern wir sie! Social Media ist Dada, ist Gegenwart und Zukunft! Interessante Beiträge dazu (für und gegen) finden sich ständig in der Berliner Gazette, einem Internet-Feuilleton, das vor kurzem mit dem alternativen Medienpreis ausgezeichnet wurde. Hier ein Link zu einem aktuellen Beitrag: http://berlinergazette.de/gute-alte-social-media/

    • Oh danke, das sieht spannend aus! Ich denke, ich lese da mal rein.

      Und das stimmt: man spricht über Zerfall, es ist aber nichts anderes als Veränderung, die immerwährend stattfindet seit Jahrmillionen schon. Einige Zeitgenossen findens nicht OK, aber einst auch ihre Vergangenheit war von Stammältesten in der Höhle mit Skepsis betrachtet. Ich wundere mich nur, dass die Vertreter der traditionellen Medien diese Gesetzmässigkeit völlig ignorieren, als wäre sie nicht gegeben.

  3. Internet istz, was man daraus macht bzw. machen läßt

    Danke für den Tip :wave:

    • Gern geschehen! arte ist da bei den rechtlich-öffentlichen mal wieder in der Avantgarde, wo sie ja bereits eine eigenständige Rubrik über die Blogger und neue Medien führt. ARD/ZDF sehen in dieser Beziehung alt aus.

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