Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Perspektive, oder Ex Ostarrichi Lux

9 Kommentare

Ich hab’s angedroht, nun ist’s RealiTAT geworden.

Vor-Stellung der Literaturzeitschriften schreitet fort.

Auf meiner Suche nach lesbaren – und vor allem, lesenswerten Zeitschriften, bin ich schon vor Jahren auf Perspektive gestossen – eine österreichische Zeitschrift, die eigentlich in meinen Augen Österreich längst überschritten hat in ihrer.

Die erste Ausgabe, die ich las, war Nr. 43+44. Eine Sammlung von Manifesten verschiedener Avantgardisten – international, intermedial, subversiv! (Zu lesen – teilweise – unter http://www.perspektive.at/wp-content/uploads/hefte/p44.pdf). Doch ich blättre besser als ich klicke.

Alle, die nach einem zusammengefassten Überblick über die überzeitlichen Avant-Gardisten suchen, werden hier  fun! dig. Das hat mich zum Beispiel, auf Cyberpoetry inspiriert. Inspiriert es auf oder zu? Egal. Jedenfalls, nach dem Lesen anderer Ausgaben – zu finden als PDF im Heft-Archiv von Perspektive, war ich aus jedem Häuschen. Wie ein Hut. Wie ein Hut.

Falls ihr, werte Leser, nach einem Heft für zeitgenössische Literatur sucht, seid ihr mit Perspektive gut auf-gehoben, auf-gehebelt und ab-geht-die-post.

Nun, hatte ich Schwein gehabt, doch darüber ist nicht die Rede. Die Ausgabe Nr. 64 ist schon wieder er/sie/es-staunlich.

Ich möchte nur einige Autoren dieser Ausgabe aufgreifen, um das Lesenswerte zu verdeutlichen.
Alle Texte ohne Aus-Nahme haben mich gekidnappt, die folgende jedoch insbesondere. (Chronologische Reihenfolge – Seitenangabe auf Anfrage).


Sylvia Egger – aus den plappiaten.

Eine sehr executeausführliche Auseinandersetzung mit  Hegemannisierung der Literatur, eine Offenbarung, wäre eigentlich Konstatation gewesen, wenn sie keine Offenbarung wäre –

die ganze hegeman(n)ie ist im grunde ein ergebnis intellektueller legasthenie

Merken Se was, werte Leser/innen/aussen? Hegemann ist schon längst vergessen. Doch die Legasthenie schreitet fort. Von daher muss jeder diesen Text auswendig lernenaufmerksam lesen. Weil immernoch und immerwährend aktuell. So.

Dann wäre da Sophie C. Ambrosig / Cornelia Maurer – Selbstverteidigungstipps Für LiteratInnen Aller Altersstufen. Eine von Jugendschutzdingsbums nicht zugelassene Anleitung zum Bekämpfen der braunen Masse auf die Schädel mit Kapital und weiteren voluminösen Printmedien (die Bücher – die kann man noch gut brauchen)! Sehr schön (auch wenn ich am Ende die Bücher zurück in die Regale gestellt sähe – für die nächsten Selbstverteidiger).

Dann eine wunderbare Sprachstudie von ralf b. korte LANGuAGEIS A CITY.
Und dann: 7x7s | Black Out.

Multilingual, frisch und very very великолепно. Mehr kann – und will – ich nichts dazu sagen – liest es einfach. Kann schön umhauen. Just read it. Читайте, и все тут. 読んでくれ!Ein Ozean zum Er-trinken. Eine Oase zum Glücklichsein. Da will ich hin. Eieiei.

Dann Clemens Schittko mit who is who / is who or what. Eine antinostalgische Gegenüberstellung nach der Formel

𝔛 heißt jetzt X

Wie: „Dada heißt jetzt Dadaismus“ (s. 39)
Wie: „Avantgarde heißt jetzt über Avantgarde schreiben“ (s. 40)
Wie: „Kommunne heißt jetzt Community“ (ebenda)
Wie: „Neuheit heißt jetzt Revolution“ (ebendort)
Wie: „Einstürzende Neubauten heißt jetzt Blixa Bargeld und Band“ (ebenhier)
Also: Euphemisierung unserer Gesellschaft, Supefizialisierung. Oder auch keine Änderung. Denn früher war alles wie jetzt, nur anders. Da ist jede Zeile lesenswert. Ich habe alles gelesen. Честное пионерское.

Dann Stefan Schmitzernotizen zu einem ausstellungsbeitrag.
Konstruktion einer vergammelnd subversiven Lese-Ausstellung und Dekonstruktion dergleichen wegen der Sicherheitsvorkehrungen und Exhibitionmanagement (oder Managementexhibitionismus). Das nenne ich „aus dem Konzept bringen“. Vor allem, wegen der Vorschriften und Bedenken der Ausstellungsleitung. Wahrlich, „eine kleine dokumentation des plangemäßen scheiterns„. War Kafka nicht auch Österreich?

Diese Auswahl ist nur ein 1-Blick in die Vielfalt der Perspektiven. Von jedem Text bin ich auf eine oder andere oder mehrere Weise(n) betroffen (worden). Und das Typographische darf auch nicht unerwähnt bleiben – die Formen passen so wunderbar zum Inhalt, dass man kaum merkt, dass man jede zweite Zeile oder quer durch die Seite liest. So Danielewski-mässig.

Also, Werte Leser (lese Werter!): Österreich ist nicht nur Republik Kugelmugel. Österreich ist Perspektive – die meine wie auch die Eurige.

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9 Kommentare zu “Perspektive, oder Ex Ostarrichi Lux

  1. Gelesen und geflattered.

  2. Großartig, dass merzmensch und Perspektive einander gefunden haben.

  3. Wunderbar! Noch ist die Welt nicht verloren…

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