Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

An der NASA herumgeführt

Ein Kommentar

Astronautin als Hochstapplerin entlarvt!

…würde jetzt ein billiges Schmierblättchen aus dem Hause Axel Springer schreiben.
Tagesanzeiger (Schweiz) tut es kultureller. Aber er tut es trotzdem, in einem Artikel „Eingebildete Astronautin„: http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-eingebildete-Astronautin-/story/11450678 .

Um die Geschichte kurzzufassen: Physiklehrerin Barbara Burtscher (25), eine avancierte und didaktisch begabte Person, ist Amok gelaufen. „2009 gewann eine ihrer Schülerinnen den jährlichen Wissenschaftswettbewerb des astroSBF“ (Staatssekretariat für Bildung und Forschung – M.). (schreibt Tagesanzeiger). Die Lehrerin begleitete Ihre Schülerin eine Woche im Spacecenter bei NASA. Zurück ist jedoch NASA-Mitarbeiterin Barbara Burtscher gekommen. So nannte sie sich ab diesem Zeitpunkt. Und wurde durch die PResse berühmt, als avancierte Schweizer Astronautin, „unsere Frau bei NASA“, die angeblich NASA-Astronautencamp besuchte, und von NASA-Mitarbeiter nicht nur gelobt, sondern sofort engagiert wurde als „Instruktorin im Nasa Education Center„.

Nun, wie es sich so herausstellt, sollen einige Sachen nicht ohne weiteres stimmen. Viele sogar. Kurzum, die ganze NASA-Kariere sei eher einem Wunschdenken der Physiklehrerin entstanden zu sein. Wunsch nach Sternen. Sagt Tagesanzeiger zumindest.

Doch da fängt schon wieder das Widerwärtige an. Die PResse fühlt sich an der NASA geführt, sozusagen. Und entlarvt die Übeltäterin, so wie es Tagesanzeiger macht, der ja selbst voller Bewunderung einst Frau Burtscher interviewierte („Wer die Chance bekommt, mit einer solch spannenden Person zu parlieren, ist natürlich massiv aufgeregt„).

Haben Sie nicht auch ein Déjà vu, werter Leser?
Genau – das hatten wir ja bereits, mit Helene Hegemann. Die PResse lobte sie bis zum Himmel, um gleich danach – selbstbeschämend – sie in den Boden zu stampfen. Das nennt man Qualitätjournalismus, der aus folgenden Phasen besteht:

Phase 1. Agiotage. „Ein Wunder! Wir haben eine Einzigartige Persönlichkeit (EP) gefunden! Leserzuwachs garantiert!“
Phase 2. Epigonie. „Die da haben über diese Person berichtet, und wir – noch nicht?! Her mit der Einzigartigen Persönlichkeit (EP) – wir werden sie noch besser darstellen. Hoffnung auf Leserzuwachs„.
Phase 3a. Positive Entscheidung. „Zweifelsstimmen? Alles Quatsch – wir nehmen (EP) in Schutz [Im Falle Hegemann – Postmoderne Intertextualität]„.
Phase 3b. Negative Entscheidung. „Zweifelsstimmen? Das haben wir schon von Anfang an geahnt! Unmöglich, so etwas, EP gehört auf den Pranger.“

Ach, und Recherche ist leider in keiner dieser Phasen enthalten.
Aber Recherche wäre schon praktisch, denn die ersten Zweifelsstimmen erklungen bereits in Januar. Nur wo? In Blogs.

Und da sind wir wieder bei diesem Ewigen Kampf des Qualitätsjournalismus gegen die Blogs, die angeblich schmarozzend die Journalisten arbeitslos machen. Ja und?

(Mit dank an das Info von Roland Wagner)

P.S. Eine offizielle Rückmeldung auf Tagesanzeiger: http://www.barbaraburtscher.com/

P.P.S. Hochstapplerin? Oder doch eher ein weiteres Opfer eines Monstrums. Eines vielgesichtigen Monstrums unter der euphemistischen Bezeichnung „Qualitätsjournalismus“?

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Ein Kommentar zu “An der NASA herumgeführt

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