Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Sarai: Nick Fedaeff

2 Kommentare

Gestern ist’s wieder höchst international gewesen. (Obwohl, das Internationale zum tausendsten Mal hervorzuheben, scheint mir bereits zu lapidar, daher lasse ich es). Kurzum, ich besuchte Sarai (und das sagt alles aus!). Die Eröffnung einer neuen Ausstellung des russischen Künstlers aus Neuseeland, Nick Fedaeff.

(Nick Fedaeff links, mit Bier – zusammen mit dem Austeller und Sarai-Gründer Anatoli Nat Skatchkov)

Nick ist Mitte 90ger Jahre nach Neuseeland mit Familie ausgereist, und nach verschiedensten Beschäftigungen als Musiker, Performance-Künstler und Businessman – fand sich – als Maler. Und nun ist es seine Hauptbeschäftigung. Und das ist wunderbar. Denn seine Bilder inspirieren.

Vielleicht ist es bei mir irgendwo so eine idée fixe, oder, wie ein russischer Schriftsteller Daniil Charms einst in seiner „Geschichte von Himmelkumov“ schrieb:

Приятно быть в одном пункте как бы сумасшедшим. Всюду и во всём видит такой человек свой пункт. Всё на его мельницу. Всё имеет прямое отношение к любимому пункту.

Oder wie Peter Urban es wie immer kongenial übersetzte:

Es ist angenehm, in einem Punkt wie verrückt zu sein. Überall und in allem sieht ein solcher Mensch diesen seinen Punkt. Alles ist Wasser auf seine Mühlen. Alles steht in direkter Beziehung zu seinem Lieblingspunkt. […]

Denn ich sehe überall Daniil Charms. Zum Beispiel in diesem Diptychon von Fedaev:

Oder auch hier:

Die Welten, die Fedaeff entwirft, sind schwer und schwebend, traumartig und karikaturell, eine vielfältige Mosaik eröffnet sich dem äusseren Auge des Betrachters.

Doch der Betrachter merkt nicht, dass er selbst betrachtet wird.

Kurz, schon wieder stimmt was nicht mit Dimensionen in Sarai. Alles wird irgendwie dynamisch und verschoben – und der Betrachter ist bereits in eine andere Realität geraten. Und er weiss es nicht einmal. Er fliegt weg und verschwindet wie diese Figur in meinem Lieblingsgemälde von Fedaeff:

Es gibt kein zurück, es gibt nur – forwärts, und gerade das ist so faszinierend. Und auch wenn man die Ausstellung verlässt, sieht man plötzlich, wie die Vergangenheit zu Zukunft wird: Die Installation Feedscape von Anton Savov wächst und gedeiht, aber bereits draussen, ausserhalb der Ausstellungshalle.

Und so, eins nach dem anderen verlassen die neuen Realitäten die Räumlichkeiten von Sarai und erobern die Welt dadraussen. Wer kommt als nächster?

Kunststeckbrief

Was: Nick Fedaeff
Wo: Platform SARAI, Schweizer Str. 23 HH, 60594 Frankfurt am Main
Wann: bis zum 9. September 2010
Medien: www

Meine Fotos von der Ausstellung: http://www.flickr.com/photos/vladix/sets/72157624636239655/
Und der Künstler selbst: http://www.nickfed.com/, http://www.flickr.com/photos/fedaeff/ und http://fedaeff.livejournal.com/


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2 Kommentare zu “Sarai: Nick Fedaeff

  1. Sehr nette Atmosphäre. Gut gemacht, Galerist!
    Und Fedaev könnte auch die Kinderliteratur illustrieren.
    Danke, merzmensch, Deine Reviews helfen uns, sich hier in der Kulturlandschaft zu orientieren. 🙂

    P.S. Ich versuche bis zum 9. September nach Frankfurt zu kommen.

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