Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Orgiastische Sophrosyne

6 Kommentare

Bücher sind nicht immer da, um gelesen zu werden. Das sind Medien, oder, wenn Sie wollen, Printmedien, die etwas transportieren. Bücher kann man zur Entwackelung eines Tisches (unterm Tischbein schieben) benutzen, oder als Stapel für Angeber, oder – wie andernorts – in die Makulatur abgeben (recycling, Umweltschutz und so). Marcel Reich-Ranicki sagte einst

Bücher interessieren mich nicht. Mich interessiert nur Literatur

Doch neulich habe ich gesehen, was man alles mit Büchern anstellen kann. Rebell hat’s bewiesen. Live auf Videoübertragungs-Kanal Ustream hat Stefan M. Seydl zusammen mit Tina Piazzi eine grosse Reihe Bücher angeordnet. Wobei das Wort anordnen ist hier fehl am Platz. Es war eher kombinieren (auch im Sinne eines Sherlock Holmes‘).

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Die Bücher wurden

aufeinander
nebeneinander
zwischeneinander
aneinander
gegeneinander
durcheinander

gelegt, so dass man plötzlich ganz neue Verbindungen und Bezüge zu Gesicht bekam. Hier als Zusammenfassung und als Video: http://blog.rebell.tv/protokoll-vom-26082010-buecher-aufstellen-hommage-an-aby-warburg.html (alle Fotos in diesem meinem Blog stammen rebell.tv)

Das war, beispielweise, der Turm zu Babel:

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Steht noch da, wird aber bald zerfallen.

Es waren auch Bücher im Oval gelegt – orgiastisch und zugleich Sophrosyne, eine orgiastische innere Ruhe. Da denke man sofort an Die Form Der Unruhe, ein Meilenstein aus dem Hause sms und tp, bald bereits als zweiter Band vorhanden.

http://dfdu.org/

In diesem Band erscheinen die Beiträge in der Wahnsinnsplattform des Intellektuellen Brainwashstormings http://rebell.tv/, die ich jedem ans Herz legen möchte.

Kurz, es war eine action-reiche action:

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mob19048_1282905954 (Fotos von Kurt Schmid)

Aber es war auch Brainfood. Denn die Erkenntnisse aus dieser Aktion sind schlichtweg so signifikant, dass man sie in Stein meisseln sollte, oder auswendig lernen. Am besten beides.

Bereits bei der alfabetischen Anordnung waren die Erkenntnisse vielschichtig und eindeutig in ihrer metaphorischen Doppeldeutigkeit:

– es ist mühsam, die bücher in eine reihe zu bekommen
– die wissenschaftlichen regeln einhalten ist aufwändig (disziplinierung)
– die verschiedenen formate stören (individualität nervt)

Mit Büchern als Gegenständen, als Medien, konnte man auf einmal so komplexe Komplexe ausdrü/ucken, dass die Printmedien auf einmal beweisen: sie haben auch noch Zukunft. Mit Kindle wäre so etwas nur bedingt möglich.

Zu weiteren Erkenntnissen und Erfahrungen:
http://blog.rebell.tv/protokoll-vom-26082010-buecher-aufstellen-hommage-an-aby-warburg.html

 


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6 Kommentare zu “Orgiastische Sophrosyne

  1. Das Schlimmste an Büchern ist ihr Gewicht.

    • Das stimmt. Ach hätte doch diesem Newton ein Buch auf dem Kopf gefallen statt eines Apfels – die Gravitation wird völlig überbewertet.

      Das war übrigens sehr laut, bei der Liveübertragung von diesem Event: die Bücher haben ihr Gewicht zu wissen gegeben. BAMM! BAMM! Ich mochte aber diesen Klang – das erinnerte mich an Blixa Bargeld.

  2. d!a!n!k!e!

    darum ist es wichtig, dass wir mit dem herzen lesen. denn wenn das herz denken könnte, stünde es still.

  3. Hans Magnus Enzensberger gefragt im Interview Zeitmagazin Nr.33 vom 12.8.2010:
    „Haben sie einen Trick gefunden, wie man die vielen Bücher wieder los wird?“

    “ Ja, wegwerfen!“

    Es geht auch anders!
    :yes:

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