Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Heimkehr der Jäger

Ein Kommentar

Es gibt ihn, meine Freunde. Ja, es gibt den österreichischen Film. Ich habe ihn zumindest für mich entdeckt. Und niemand kann es mir nehmen.

Auf den Regisseur Michael Kreihsl bin ich aufmerksam geworden, als sein Film „Charms Zwischenfälle“ den späten Weg zu meinem Gehör machte. Kongeniale Umsetzung der Absurden Texte von Daniil Charms (übersetzt  ebenso kongenial von Peter Urban) war meiner Meinung nach das beste, was die bisherige Filmgeschichte aus den Schätzen des russischen Avantgardisten gemacht hatte.

Nun habe ich neulich diesen Trailer gesehen:

Der Film „Heimkehr der Jäger„, nach dem gleichnamigen Gemälde von Pieter Bruegel genannt, ist eine authentische, absurde, realistische und surrealistische Geschichte eines Kopisten (unvergesslich stark gespielt von Ulrich Tukur) in Wiener Kunsthistorischen Museum.

Seine Welt zerfällt:
=> die Touristen marschieren durch das Museum wie auf einem Sehenswürdigkeiten+Abhack+Marathon
=> seine ehe(malige+frau) verwehrt ihm den Zugang zu ihrer gemeinsamen Tochter
=> er bekommt einen Konkurrenten (eine Kopie des Faustschen kleinbürgerlichen Wagners) auf dem Kopisten-Arbeitsplatz
=> die Umgebung ist schrill, konsumgeil, leer, laut und kalt
=> die Welt wird dominiert von Supermärkten MIMA (nur eine Buchstabe – und schon nicht mehr MOMA)
=> die Bilder der niederländischen Meistern verfolgen ihn auf Schritt und Tritt, so dass man zwischen der Wirklichkeit und Halluzination nicht mehr unterscheiden kann. (Gibt es da Unterschied, eigentlich?)

===> Er läuft Amok

Eine österreichische Variante von „Falling Down“ und „Fargo„, mit gewaltiger Bildkraft. Als ob die Flämische Maler ihre Pinsel hier am Werk hatten. Bitter, mit schwarzem Humor und skurillen Charakteren – mit wunderschönen Julia Filimonow und einzigartigen Johannes Silberschneider. Die Darsteller kommen zum grossen Teil aus dem Charms-Film, aber auch die Bildsprache, das Sujet, als ob Charms weiter macht. Und er macht weiter.

So wie der kleine Kopist Franz, der sich mit der seelenlosen, anonymen und von Marktgeschrei gefüllten Welt anlegt.

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Ein Kommentar zu “Heimkehr der Jäger

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