Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Internationale Schwitters-Tagung. Teil 1.

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Wenn Sie mich fragen, wo ich gerade bin, dann sage ich: unterwegs ins Unermessliche. Denn Schwitters sagte einst:

Hannover strebt vorwärts, und zwar ins Unermeßliche.

Also: Schon wieder in der MERZ-Stadt. Und im Monat März Merz im Sprengel Museum findet die dritte internationale Schwitters-Tagung statt – diesmal zu seinem Literarischen OEuvre. Jede Menge Schwitters-Forscher auf einem Quadrat-Meter. Und das inspiriert.

Der Anlass dieser Tagung ist umso merzialischer: Die Kurt und Ernst Schwitters Stiftung wird in den nächsten Jahren Texte und Briefe Schwitters in einer wissenschaftlichen Edition neu herausgeben!

10 Bände geballten MERZ.

Dazu auch noch digitalisierte Dokumente und Werke Schwitters, die durch Holzmedien nicht mehr darstellbar sind. Die Zukunft bricht an, und Du bist dabei. Wie ein Hut. Wie ein Hut.

Also möchte ich kurz berichten, was sich alles abgespielt hat in diesen interdimensionalen Auditorien. Es wurde sehr viel beleuchtet, ich werde nicht alles beschreiben können. Aber 2012 wird ein Buch mit allen Beiträgen dieser Tagung erscheinen.

*** (drei Sterne)

Zunächst wurden wir vom Direktor des Sprengel Museums Ulrich Krempel begrüsst.

Er stellte das Museum vor, und erzählte über Intentionen der Tagung. Schwitters literarische Werke wurden bis jetzt nicht so allumfassend erforscht, im gegensatz zu seinem bildnerischen Nachlass. Und allzuoft werde er auf die Rolle des literarischen Spassmacher reduziert. So:

„Kurt Schwitters = lustig“

Das sei aber zu oberflächlich, und hier frage ich mich, wieso ich hier ständig den Konjunktiv I benutze. Ulrich Krempel hat recht: es ist zu oberflächlich. Die Aufgabe der neuen Edition ist es also unter Anderem, dies zu verdeutlichen. Und auch Aufgabe dieser Tagung im Museum. Und auch Aufgabe des Museums.

Und ich sage Euch, liebe Freunde – Sprengel-Museum ist wirklich ein Vorreiter in Sachen Avantgarde. Hut ab.

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***

Walter Delabar, der Organisator der Tagung, führte uns kurz in die Moderne ein. Die Begrifflichkeiten sind nicht eindeutig – gleich wie der Begriff der Avantgarde. Peter Bürger mit seiner „Theorie der Avantgarde“ hat’s versucht.

Es geht unter anderem über die gesellschaftliche, historische, kulturelle Auffassungen des Komplexes „Moderne“, die des ofteren nicht parallel ablaufen, ineinander verflochten sind und am Ende ist man so klug als wie zuvor.

Besonders, wenn es um Schwitters geht. Denn seine avantgardistischen Zeitgenossen, so wie er, sahen im Sinn das Sinnbild des Bürgerlichen. Der Unsinn war der Weg des Protestes. Doch Schwitters ging weiter. Statt, wie Dadaisten, die Konventionen eifrig zu verwerfen, spielte er mit ihnen. Statt anarchistischen Amoklaufs durch Markthäuser und Parlamente, infiltrierte er diese feindliche Territorien und sprengte sie mit adogmatischer Perfektion. Daher waren die Berliner Dadaisten mürrisch, da sie die ganze als Bürger gekleidete Subversivität nicht erkannten (nicht erkennen wollten).

Apropos, Sinn.

Schwitters hat etwas seltsames gemacht. Er machte den Sinn des Werks zu einem der unzähligen Faktore dieses Werks. Form stand dabei im Vordergrund. Der Sinn war plötzlich nur ein Element, wie Farbe, Wort, Autor oder Zuschauer. kurz:

Alles wurde MERZ wurde alleS

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***

Birgit Nübel aus der Leibniz-Universität berichtete über Kurt Schwitters und Robert Musil. Es ist nicht nachgewiesen, dass beide einander kannten, doch die Parallelen sind überraschend.

Zum Beispiel, Spannungsfeld Mimetik. Oder Motiv der Zerstückelung. Aber auch metatextuelle Phänomene. Ich habe mir viele Notizen gemacht. Es war ein sehr begebenwürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.

In sehr vielen Aspekten höchstinteressanter Beitrag, besonders für mich, der ja Autoren in meiner Arbeit vergleicht. Und die Idee der literarischen Moderne als Kollektivsingular ist so verheißend. Ich darf mich nur nicht verbrühen.

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***

Und dann war die Kaffeepause, und ich hatte die britische Schwitters-Biographin Gwendolen Webster persönlich kennengelernt. Wir kennen uns längst bei twitter. Sie ist Direktorin der Britischen Schwitters-Gesellschaft.

Und auch einen Mitglied von Merzman habe ich kennengelernt.

Kaffee war ausgetrunken – und es ging weiter…

FORTsetzung folGT…

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2 Kommentare zu “Internationale Schwitters-Tagung. Teil 1.

  1. Da warst du heute Abend noch fleißig. Danke für den Einblick. Und gewiss kannst du mir morgen Abend noch mehr sagen. Ich freue mich darauf.
    Bis dann,
    Jules

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