Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Internationale Schwitters-Tagung. Teil 4.

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Sektion 3: Schwitters neu edieren

Wie bereits erwähnt, wurde die Schwitters-Tagung in Rahmen der Vorbereitungen zur neuen Edition des literarischen OEuvre des MERZ-Künstlers organisiert. Und es stellt sich heraus, dass die Herausgeber sich vor einer Herausforderung gestellt haben.

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Fliessend ist die Grenze zwischen dem literarischen und bildnerischen Werk des KünstlersSchriftstellers Kurt Schwitters.
So berichteten Isabel Schulz und Ursula Kocher über die Problematik, aber auch Signifikanz dieser Edition, denn…

Leider entspricht die 5-Bändige Schwitters-Ausgabe (Hrsg. Lach) nicht mehr den neusten wisselschaftlichen Standards und weist viele textologische Mängel. So muss eine neue Ausgabe her. Es wurden bereits 3 Bände des bildnerischen Werk im Catalogue Raisonné veröffentlicht. Nun folgen die Texte.

Aber! Bei Schwitters ist es oft schwer zu uǝuuǝʞɹǝ, wo die Grenze zwischen Bild und Text liegt. Gedichte, die typographisch gesetzt und nicht zum Vorlesen gedacht sind. Collagen, die auch wenn geklebt, durchaus vorgertragen werden können.

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(C): Ernst und Kurt Schwitters Stiftung

Text? Schrift? TypoGraphie?

So wird es auf die digitalen Medien zurückgegriffen. Schwitters‘ Texte werden sowohl auf einem Datenträger veröffentlicht, als auch in Buchform – zum BlätternDurchsuchenEselsohrfaltenNachschlagenKopieren©opieren, sprich: den Wissenschaftlern einerseits und den Interessenten andererseits, allen wird der Zugang zum allen gewährt (alle vogel alle), als eine verlässliche und umfassende Edition. Was will man mehr?

***

Als Teilprojekt werden die noch nie veröffentlichte Notizbücher von Schwitters digitalisiert, wie uns Antje Wulff und Julia Nantke erfreuten. Sie erzählten über das Forschungsprojekt, „wie Kritik zur Kunst wird„. Denn Schwitters war sehr penibel, was Kritiken angeht. Er hat sie alle. Gelesen.

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(Eigentum: Kurt Schwitters Archiv)

Und allein die sind schon AUGENWeide. Und gleichzeitig eine editorische Folter. Wie will man z.B. fächerweise eingeklebten (zum Abklappen) Texte verlegen? Doch egal, wie man es will, man muss. Man soll? Die Leute sagen, man solle, – laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Druck geht. Das gehört (beiläufig) nicht hierher.

Welche Notizbücher sind es also?

  • Kritiken, oder: „Speizalhaus für Abfälle“
    So bezeichnete Schwitters das Heft, in dem er alle möglichen veröffentlichten Kritiken sammelte und einklebte. Er beauftragte den Presseausschnittdienst Adolf Schustermann, sämtliche gedruckte Artikel über sämliche Schwitters‘ Aktionen zuzuschicken. Heutzutage macht man das mit [Schleichwerbung]. Dazu versah er die Kritiken mit Markierungen, Zeichen und Notizen in unlsbrn Krzschrft.
  • 8 uur
    Notizbuch-Dokumentation des Dada-Tournee durch Holland. Mit Dokumenten, Fotos und wiederum Zeitungsartikeln – und mit noch ausgeklügelteren MarKierunGsSystemen
  • Gästebuch für die MERZausstellung
    …in Hildesheim. Das war eine Kommunikation mit Publikum par excellence. Das Publikum schrieb ins Gästebuch. Schwitters antwortete ebendort. KommentareKommentare. Und – WICHTIG – viele Texte des Publikums wurden in anderen Texten von Schwitters zitiert/verarbeitet/angedeutet.
  • Schwarzes Notizbuch VI. „Alles Mögliche, was uns interessiert“
    Nomen=>Omen. MERZAusstellung Hildesheim. Diesmal aber unkommentiert.
  • Bleichsucht und Blutarmut
    Briefe. Korrespondenzen. Zeugnisse der avantgardistischen Netzwerke. Alles, was hilft, die Verbindungen und Bezüge bei Schwitters nachzuweisen und zu belegen. Denn hier sind gesammelt:
    => Briefe an Schwitters
    => Publikums-Reaktionen (sowohl – als auch +)
    => Nachfragen derjenigen, die’s nicht verstanden haben. Sowie Interpretationsvorschläge derjenigen, die’s zu verstehen haben wollen müssen sollen.

Diese Notizbücher – auch wenn sich dort kaum Texte von Schwitters wiederfinden – ermöglichen, das Gesamtbild MERZ-Künstler im Spiegel der Revolution Rezeption zu verstehen.

Und schon wieder sah ich: da tut sich was.

Der Merz-Ball wurde ins Rollen gebracht.

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11 Kommentare zu “Internationale Schwitters-Tagung. Teil 4.

  1. Kaum im Hotel hast du auch schon einen neuen Beitrag veröffentlicht. AB – wie ein Hut wie ein Hut. Schön, dass ich hier wie von Angesicht zu Angesicht, soviel Neues über Schwitters erfahre. Und: Es hat mich gefreut, dich kennen zu lernen.

  2. Ich habe höchsten Respekt vor Menschen, die Projekte nicht nur wegen des zu erwartenden Profits umsetzen, sondern weil sie ihnen wichtig sind.

    • Oh ja. Und vor allem: eine komplette Edition von Schwitters ist zwar ein Mammuth-Projekt, aber ich habe keinen Zweifel, dass diese Ausgabe grossartig sein wird, ich habe Potential gesehen, Motivation und Kompetenz bei den künftigen Herausgebern. Und Motivation ist eine ansteckende Sache 🙂

  3. Vielen Dank fuer den ausführlichen Bericht – super gemacht. Eine schöne Erinnerung.

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar und für das Velinken auf dem Facebook – ich freue mich auf unseren Kontakt. Ich bin mit meinen Berichten noch nicht komplett fertig und hoffe aber bis heute Abend alle Texte hier fertig veröffentlichen.

  4. Pingback: Internationale Schwitters-Tagung. Teil 4. Schwitters editieren. | Dada, Merz & Co.

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