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DADAistisches und dadaLOSES

Kafka strikes back: The BirdBase

4 Kommentare

Kafka wird gehackt. Oder so zumindest sieht die Webseite des Gehlen&Schulz-Verlages, wenn man sie jetzt öffnet: webseite Der Link führt auf die Facebook-Seite der ominösen Gruppe The BirdBase mit folgenden Manifest: Birdbasemanifest. Und sogar die selbst ist abgebildet: 392623_218529854886712_172276502845381_529111_152338014_n Und Making-Of:

Genau wie vermutet: die ganze Aktion (angefangen von der fingierten Verlags-Seite bis hin zum bundesweiten Versand) ist eine virale politisch-gesellschaftliche Persiflage. Man hat mal wieder, ohne richtig nachforschen zu wollen, zugegriffen, und sich in eigenen Empörungen verfangen.

Denn zwar ist der Verlag ein Fake, doch die Schippe, die Schippe ist völlig echt, auf die man die Öffentlichkeit und die Medien genommen hat.

Nur eine Frage ist noch offen: worüber soll man nachdenken? Worüber muss man sprechen? Worüber soll man nicht schweigen? Steckt eine Ideologie dahinter oder ist es eine Art Impuls, die Augen aufzumachen und die Wirklichkeit von einer Meta-Perspektive zu beobachten? Nicht, dass es so wird, wie M.A. Numminen einst Wittgenstein gesungen hat:

Ich bin gespannt, in welche Richtung das führt.

UPDATE. Wie es sich herausstellt, ist das mangelhafte Bildungs- und Schulsystem in Österreich das Ziel der Kritik, die The Birdbase ausübt (s. DerStandard.at). Oder wie The Birdbase auf ihrer Facebook-Seite selbst konkretisiert: 318562_218533644886333_172276502845381_529115_512097188_n

Mit der Aktion wurde also das Problem nicht nur angesprochen, sondern auch bestätigt:

Die Medien interessieren sich dafür, dass die EU Geld verschwendet, nicht aber für das niedrige Bildungsniveau.

Es scheint aber auch, dass mit dieser Aktion weitaus mehr erreicht wurde, als geplannnt, und das ist gut so. Nicht nur das Bildungssystem ist mangelhaft, nicht nur die Medien sind engstirnig, sondern die ganze Gesellschaft scheint auf einer ganz schiefen Spur zu fahren in Richtung einer bierernsten Naivität in Bezug auf die Medien einerseits, andererseits aber mit der erstaunlichen Affinität für das sich Empören, wenn’s sich herausstellt, dass man an der Nase herumgeführt wurde.

 

Post-Spiessertum.

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4 Kommentare zu “Kafka strikes back: The BirdBase

  1. Moment, jetz bin ich irritiert, es wurde in der Tat nie ein Buch gedruckt und verschickt? Der ganze Zauber ist eine große Blase, wie Leerverkäufe in der Finanzwelt?
    Ja dann, … dann ist es gut und alte Muttchen sind zu blöd und wiederum zu faul, alles im Netz nachzuvollziehen.
    Ich bin sowieso der Ansicht, nicht das Bildungssystem und Bildungsangebot ist schlecht und nicht ausreichend, sondern die Leute sind zu faul, sich um selbige zu engagieren, wohl weil eine Werteverschiebung das Bildungsstreben und gar noch Bildung selbst nicht honoriert.
    🙂

    • Das ist es eben: das Buch wurde gedruckt und verschickt. Das einzige, was ein Fake ist, war der Verlag. Die öffentlich-mediale Reaktionen waren aber bis zum Lachen echt 🙂

      Das ist das spannendste an der ganzen Geschichte: das blinde Vertrauen in die Medien gebärt Monster, wie Goya mal gesagt hatte (oder so ähnlich :-)).

      Ich finde, allein mit diesem Ad-Absurdum-führen (Autoren des Projekts) zusammen mit dem Für-die-bare-Münze-nehmen (alle anderen) hat das ganze bestens funktioniert.

      Ich werde jetzt, davon inspiriert, eine neue Rubrik öffnen (da ich ja seit längerer Zeit über solche Phänomene schreibe, findet man bereits einiges darin): Helden unserer Zeit.

  2. Die Aktion ist klasse. Dankeschön, dass du so konsequent Aktionen auffindest und vorstellst, die das Internet als Medium der neuen sozialen Kunst nutzen. Das ist „Digidada“ (Teacher).

  3. Das sind echte Helden. Auf so eine Idee muss man erstmal kommen. Ob ich wohl irgendwo eins dieser Bücher bekommen kann?

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