Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Mainfest der Totalen Konfusion, oder Facebook als Mad Scientist

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Hatten Sie letztens nicht auch diese miese Laune gehabt, als Sie in Facebook waren (falls Sie dieses Social Network nutzen?). Dann kann ich Sie beruhigen: es liegt nicht an Ihnen, sondern an der Wissenschaft.

Ja, Facebook war bereits berühmt-berüchtigt gewesen als eine schöne Datenbank für NSA und andere Geheimdienste, wo die zu Beobachtenden selbst ihr Leben protokollieren, und somit die Überwachungsarbeit für die immermüden Sachbearbeiter irgendwo im Hochsicherheitsbunker vor den Tausenden von Monitoren um das Vielfache erleichtern.

Nun hat sich eine neue Nutzergruppe von Facebook herauskristallisiert: die Wissenschaftler.

Neulich hat Princenton Universität eine wissenschaftliche Studie veröffentlicht, in der man über die Ansteckung der Emotionen („emotional contagion“) die Rede war.

Was haben nun die Wissenschaftler herausgefunden?

Je negativer die Umgebung, desto negativer ist der Gemütszustand des Probanden. Und umgekehrt: positive Emotionen übertragen sich auf die Probanden und bewirken deren bessere Stimmung. (Was für eine Überraschung!) 

Wie haben das die Wissenschaftler entdeckt?

Sie nahmen, wie AV Club berichtet, ca. 600.000 Personen in Facebook unter die Lupe, und manipulierten die Häufigkeit der Mitteilungen ihrer Freunde. Sprich: wenn man Facebook öffnest, sieht man „Timeline“, die Liste mit allen aktuellsten Nachrichten von Freunden. Nun hat man in diese Liste eingegriffen, und bei einer Gruppe der Testpersonen meistens negative Meldungen der Freunde angezeigt (und positive ausgeblendet) und umgekehrt. Dann schaute man, was die Testperson selbst schreibt – und das war deutlich beeinflusst von den Freundesmitteilungen.

Wo liegt nun das Problem?

Es gibt sogar mehrere Probleme.

1) Die Testpersonen wussten nicht, dass sie Testpersonen waren. Facebook hat ihre Emotionen aktiv beeinflusst. Bei AGB von Facebook, die man akzeptieren muss, damit man diesen Dienst nutzen kann, steht pauschal die Zustimmung für jede mögliche Nutzung deiner Daten von Dritten (wirtschaftlich, wissenschaftlich etc.). So wird man authomatisch zu einem Versuchskaninchen, wenn man Facebook betritt.

Nun wird jemand sagen: selber schuld, wer Facebook nutzt. Das ist aber ein Scheinargument – so einfach kann man auch behaupten, man sei selber schuld, dass man Telefone zur Kommunikation benutzt (alles wird ja in Rahmen der Vorratsdatenspeicherung gespeichert, für den Fall, dass Sie plötzlich zu einem Massenmörder werden – das vermutet ja die Politik bei jedem von uns ohne Ausnahme – präventiv).

Diese Studie ist also ethisch fragwürdig, wie mehrere Wissenschaftler empörend hervorheben. (Normalerweise ist eine Testperson informiert, dass sie Testperson ist).

2) Die Ergebnisse beziehen sich auf die Texte, die die „Testpersonen“ verfassten. Aber nichts ist authentisch bei Facebook. Jede/r kann schreiben was er/sie will. Daher sind die Ergebnisse – auch wenn die Probanden nicht wussten, dass sie Probanden sind – von anfang an anzuzweifeln. Die Ergebnisse der Studie ist also wissenschaftlich auch ziemlich fragwürdig.

War also umsonst alles? Nein, das inspiriert.

Oh ja, lassen wir die Welt desinformieren. Lassen wir Sachen schreiben, die völlig (oder nur völlig, oder überhaupt nicht) falsch sind. Lassen wir die sogenante Authentizität untergraben.

Lasst uns lügen in Social Networks. Frech und offen lügen. Ab und zu. Manchmal. Öfters. Wer weiss wann. Dann ist die Totale Konfusion erreicht.

Und zum Abschluss ein schönes Video zum Thema Emotionen, Facebook, emotionale Ansteckung (oder auch nicht):

 

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