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#MERZWOCH: Über Image-Net Roulette, Manipulationen und Schönheit der Alpträume

2 Kommentare


KI-Experiment der Woche

Schönheit der KI-Dystopie.

Die KI hat immer Recht, auch wenn sie versagt. Hier ist Beweis dafür.

ImageNet ist eine umfassende beschriftete und kategorisierte Bilddatenbank, die für das Training von Deep Learning-Modellen verwendet wird.

Wenn die KI ein Foto einer Katze analysiert, dann versteht sie das: „Es ist eine Katze„. Sie kann sogar auf einem Foto „eine Katze mit gestreiftem Fell“ erkennen.

Screenshot von Image-Net

Wenn die KI ein Foto eines Zuges analysiert, dann versteht sie das: „Es ist ein Zug„. Sie kann sogar eine U-Bahn erkennen: „Ein Zug, der in einem U-Bahn-System fährt„.

Screenshot von Image-Net

Aber was ist mit der Kategorie „Person„? Nun, die in der Bilderkennung scheinen von Regierungen, Geheimdiensten und so weiter viele Hoffnungen gesteckt, denn…. schauen Sie sich diese wunderbare Analyse einer politischen Demonstration an.

Sie wissen also sofort, wer der Anarchist ist, wer Kampfpilot ist und wer Stammesangehöriger ist. (Quelle)

Wunderbare Dystopie! In ihrem Projekt „ImageNet Roulette“ erkunden Kate Crawford und Trevor Paglen all die Missverständnisse, Fehlkennzeichnungen, Gefahren und Kontroversen. Sie schreiben:

„Wir wollen Aufschluss darüber geben, was passiert, wenn technische Systeme an problematischen Trainingsdaten geschult werden. KI-Klassifikationen von Personen werden selten für die zu klassifizierenden Personen sichtbar gemacht. ImageNet Roulette gibt einen Einblick in diesen Prozess – und zeigt, wie Dinge schief gehen können.“

Denn für einen bessere KI Training ist Labeling (Ettiketierung) immer noch eine menschliche Aufgabe (und die Etikettierung von Menschen ist eine sehr menschliche Aufgabe – war es auch schon immer).

Sie können Ihr Foto hochladen (Fotos werden nicht gespeichert) und sehen, wie Sie vom trainierten System etikettiert werden. Ich habe es versucht. Aber zuerst mal ein paar lustige Fakten über mich.

FUN FACT #1. Ich bin ein entschlossener Waffengegner.
FUN FACT #2. Ich habe früher in einem Amateurtheater gespielt.
FUN FACT #3. Ich liebe Experimente mit künstlicher Intelligenz.
FUN FACT #4. Die KI hat immer recht.
FUN FACT #5. Ich bin Nichtraucher.

Also habe ich ein Foto von mir hochgeladen, als ich in einem antifaschistischen Theaterstück „Karol“ von Sławomir Mrożek spielte. Ich stellte einen alten manipulativen Nazi dar.

Hier ist das Originalfoto und das Ergebnis, wie KI mich erkannte:

Nun, das ist schon richtig. Zumindest, was die Biographischen Fakten über mich angeht: „Ich bin Nichtraucher„. Das kleine Detail, das von der KI übersehen wurde: ein riesiges Gewehr in meinen Händen.

Fazit
So kann die KI bei der Erkennung immer noch scheitern. Auch wenn es tatsächlich richtig liegt. Und es liegt an uns, wie wir der KI vertrauen können, wie wir die von ihr gelieferten Daten nutzen und wie wir den menschlichen Faktor im Kontext des KI-gesteuerten Ansatzes sehen.


Musik

Schönheit des menschlichen Gruseligen.

Steady Holiday — Who’s Gonna Stop Us.

Es geht um die menschliche Manipulation. Und Manipulatoren. Und über ihre Begegnung.

Schopenhauer schrieb einmal über die Gesellschaft der Stachelschweine und ihr Dilemma.

Im kalten Winter versuchen sie sich mit der Wärme ihres Körpers gegenseitig aufzuwärmen, aber es gibt noch andere Hindernisse: ihre scharfen Stacheln. So sind sie dabei, die Position zu finden, an der sie genügend Wärme ausgeben, sich aber nicht gegenseitig verletzen. Hervorragende Metapher für die Kommunikation in unserer Gesellschaft (die sich eigentlich nicht darum schert, sich gegenseitig zu verschonen – beziehungsweise nicht daran interessiert ist, sich gegenseitig aufzuwärmen).

In diesem subtilen Song und dem Musikvideo von Steady Holiday begegnen sich zwei Monster (Manipulatoren) in einer Art Showdown – der in einer Zusammenarbeit endet, aber mit Distanz. Zusammenarbeit, um andere Leben zu manipulieren. Sehr David Lynch-ähnliches Szenario – mit himmlischer Stimme von Dre Babinski.

Fazit
Selbst Manipulatoren sind Menschen. Die Aufgabe ist es, nicht manipulierbar zu sein. Schwierig. Aber wichtig – in jedem Alter.


Twitter-Bot der Woche

Schönheit der Alpträume

In meiner Kindheit gab es mehrere Begegnungen mit der Kunst, die mir einige schöne Traumata, wunderbare Alpträume und bezaubernde Gänsehaut bescherten. Es waren u.A. Goya, Bosch und Bruegels (beide).

Ihre Fantasien, ihre reiche (bis kranke) Vorstellungskraft, ihre höllischen Landschaften, in denen Idiome sich zu Bilder verwandeln, Worte zu Erfahrungen werden, Sprichwörter visualisiert werden – diese unheimliche Grenzüberschreitung zwischen Wort und Bild faszinierte mich.

Jetzt können auch Sie sich täglich faszinieren lassen – mit BruegelBot. Dieser kunstbezogene Twitter-Bot twittert mehrmals täglich kleine Fragmente aus verschiedenen Gemälden von Pieter Bruegel dem Älteren.

Es wird Sie von all der Absurdität der Welt ablenken. Oder vielleicht sie noch mehr unterstreichen und betonen.

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2 Kommentare zu “#MERZWOCH: Über Image-Net Roulette, Manipulationen und Schönheit der Alpträume

  1. Tolles Projekt von dir. Die Materialfülle ist überwältigend. Danke besonders für die Metapher von Schopenhauer!

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