Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES

Kein #SocialDistancing in Zeiten von #CoronaVirus!

8 Kommentare

Alle sprechen von Social Distancing, einer Strategie gegen Verbreitung von Corona-Pandemie. Die Medien plädieren für Social Distancing. Regierungen fordern Social Distancing. #Social Distancing ist ein Trend-Topic auf Twitter. Sogar Trump:

Und jetzt ist es sogar angeordnet – es dürfen nicht mehr als 2 Personen zusammenkommen.

Hören Sie jetzt damit auf. Oder nennen Sie es anders.

Soziale Distanzierung – als eine Reihe von nicht-pharmazeutischen Maßnahmen zur Infektionskontrolle, um eine pandemische Krankheit zu verlangsamen – ist eine alte Strategie:

  • direkten Körperkontakt vemeiden (Händeschütteln usw.)
  • Ansammlung mehrerer Personen an einem Ort vermeiden
  • das Meiden von öffentlichen Verkehrsmitteln, Konzerten, Spielplätzen
  • so lange wie möglich zu Hause bleiben usw.

Kurz: Abstand zwischen den Menschen halten.

Die früheste Erwähnung finden wir sogar im Alten Testament:

45 Der Aussätzige mit dem Anzeichen soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungekämmt lassen; er soll den Bart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein! 46 Solange das Anzeichen an ihm besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten. (Levitikus, 13:45)

Aber „Social Distancing“ ist der absolut falsche Narrativ.

Wir sind soziale Wesen. Schon Aristoteles definierte den Menschen als Zoon Politikon (ζῷον πολιτικόν, wörtlich: „soziales Wesen“). Kommunikation, Beisammensein ist die Essenz unserer Existenz – von unseren Zusammenkünften am Lagerfeuer in der Steinzeit bis zum Cappucino in Ihrem Lieblingscafé.

Heute warnen die Forscher: körperliche Begegnungen sollten vermieden werden, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern – und sie nennen es immer wieder „soziale Distanzierung“.

Doch dieser Begriff ist auf kommunikativer, psychologischer und soziologischer Ebene irreführend, ja verheerend. Er erzeugt ein beklemmendes Gefühl, das, gemischt mit alarmierenden Nachrichten aus allen Medien über die große Pandemie, Depressionen und Panikattacken auslösen kann und wird. Isolation. Einsamkeit. Alles, was zu vermeiden ist, besonders jetzt.

Denn in der Tat geht es bei „Social Distancing“ nur um „physische Präsenz“.

Es gibt so viele Möglichkeiten, die Kommunikation aufrechtzuerhalten, in Kontakt zu bleiben, ohne vor Ort präsent zu sein. Virtuell zusammen zu sein.

Und ich bin sicher, die Vorteile von Coronavirus werden sein: unsere Kommunikation neu zu gestalten, sie mit digitalen Kanälen zu erweitern und zu verbessern. Renaissance der Kommunikation. Die Globalisierung unserer Kulturen.

Hier sind nur 3 Möglichkeiten (von unendlich vielen vorhandenen), den Kontakt aufrecht zu erhalten und in Zeiten von Corona gemeinsam sich mit wunderbare Sachen zu beschäftigen. Hier geht es nicht um eine soziale Distanzierung – es kann noch sozialer werden, indem wir alle digitalen Kanäle und transmedialen Werkzeuge nutzen, die wir heute haben.

Lassen Sie sich inspirieren! Kommunizieren Sie! Kommen Sie zusammen (im Online-Modus). Aber – verhindern Sie die Möglichkeit einer Pandemie: Bleiben Sie lieber zu Hause. Sie sind nicht allein – die ganze Welt ist bei Ihnen.

Stoppt Soziale Distanz, bewahrt Physische Distanz!

Group Friends Video Chat Connection Concept

Adobe Stock, FILE #: 113867334 (RawPixel.com)

1. Bleibt zusammen (virtuell)

Treffen Sie sich mit Freunden in Ihrem Lieblingscafé? Schalten Sie auf die digitalen Kanäle um. Wie wäre es mit gemeinsamem Kaffeetrinken, bei einer gemeinsamen einer Music-Playlist, mit einem Gespräch über Gott und die Welt?

Das kann man mitlerweile auf so viele Arten tun:

2. Gemeinsam kreativ sein

Hier ist eine kleine Auswahl an kollaborativen Werkzeugen – für Projektmanagement, Planung, Datenmanagement. Es klingt alles schrecklich nach Arbeit  kann aber auch für viele kreative Projekte genutzt werden. Dichten Sie gemeinsam eine neue Welt von Grund auf. Schreiben Sie einen Roman in Team. Tauschen Sie Ideen und spinnen Sie einfach!

  • Slack /MS-Teams –  praktische Lösung für kollaboratives Arbeiten
  • Anchor.fm – wie wäre es mit der Erstellung eines Podcasts – weltweit mehrsprachig? Es gibt so viele Themen – und es gibt so viele Leute, die das jetzt brauchen. (Und die aufgrund der Umstände viel Zeit haben).

3. Gemeinsam lernen

  • Khan Academy – kostenlose Kurse zu verschiedenen Themen.
  • Coursera, Udemy – sind nur einige der richtigen Orte zum Lernen.
    TIPP: In Coursera können Sie während des Unterrichts in Foren mit Ihren Komillionen kommunizieren.
  • Wem das noch nicht reicht, der findet hier eine umfassende Sammlung von Online-Kursen und MOOCs.

Lassen Sie sich von dieser kleinen Liste von Werkzeugen inspirieren. Und hier ist eine größere, die ständig aktualisiert wird:

https://techagainstcoronavirus.com/?utm_campaign=By-Weekly%20Newsletter

Seien Sie nicht allein, meine Freunde! Lasst uns in Kontakt bleiben!

Und schreiben Sie in den Kommentaren, welche Werkzeuge Sie benutzen, um in Zeiten von Pandemien digital verbunden zu sein?

Englische Version in DDI.

8 Kommentare zu “Kein #SocialDistancing in Zeiten von #CoronaVirus!

  1. Lieber Merzmensch,

    Ähnlich wie Sie beschäftigt mich das Wort „social distancing“, auch mir trieben schon ähnliche Überlegung zur suggestiven Auslegung oder Wirkung dieser Formulierung durch den Kopf.
    Gestern schrieb ich: „Die Seuche entwickelt das seltsame Symptom der Zunahme zwischenmenschlicher Sympathien. Die Menschen rücken voneinander ab und aus der Distanz wächst Nähe.“

    Kontakthalten ist eins der Schwersten für Menschen wie ich einer bin, sogar Kommentare schreiben sich weitaus weniger sicher, munter und fluffig als es in meinen (inzwischen seltenen) Kommentaren vielleicht auf manche, die mich nicht persönlich kennen, den Anschein erweckt.

    Den Kontakt zu anderen Menschen, auch zu Familienangehörigen, halte ich (unter anderem) über soziale Plattformen wie WordPress, Instagram oder auch Facebook. Außerdem chatte ich manchmal mit virtuellen Freunden im Messenger, über What’s App oder ich schreibe ein Mail.

    Die Schule meiner Tochter hat ein gemeinsames Lernportal eingerichtet, über das die Kinder virtuell mit ihren Lehrkräften verbunden sein können und dann gibt es ja auch noch die virtuelle What’s App Gruppen der Lehrer, der Eltern und die Klassengruppe und auch mit den Banjafreunden bin ich über What’s App virtuell verbunden .

    Wie wäre es wohl gewesen, hätte die Seuche vor Jahrzehnten, als es noch keine virtuelle und digitale Vernetzung gab, zugeschlagen?
    Das Telefon hätte wohl nicht mehr still gestanden und es wäre wohl zum Teil auch so gewesen wie jetzt heute und hier: plötzlich reden völlig fremde Leute mit dir über ihre Gefühle.

    Das ist kein „social distancing“ und die Aufforderung dazu, klingt nach provozierter Anarchie. Denn wir sind soziale Wesen und brauchen die Nähe zu den anderen.
    Besonders in diesen Zeiten ist dieses Bedürfnis ausgezeichnet zu beobachten.

    Bitte bleiben Sie gesund.

    Liebe Grüße,
    Amélie

    • Vielen lieben Dank für das Kommentar!

      Ich fand auch das Ausrufen zum „SocialDistancing“ ein ziemlich unglücklich ausgewähltes Narrativ – die Politik, aber auch die Virusforscher waren wohl unsensitiv genug, diese Formulierung zu konstruieren – und auch anzuwenden. Besonders in den schwierigen Zeiten klingt es fast wie ein Programm: „Schliesst euch ein, spricht mit keinem, da draussen lauert der Tod“. Nicht gerade ermutigend in die schwierige Zeiten.

      Unseren Medien, der Politik und auch Akademie fehlt an Empathie, es fehlt auch an positiven Denken – auch in Zeiten wie diese.
      Denn auch im Zustand der Ausgangssperren bleibt man mit den nächsten im Kontakt, und ich denke, diese Kontakt-Kanäle, die früher von der breiten Öffentlichkeit als „entmenschlicht“ galten (chats, mails und andere online-Wege der Kommunikation) nun überall an Bedeutung gewinnen. Die virtuelle Museen und Lernplatformen werden öfters besucht und genutzt. Die Senioren entdecken Videochats, um mit ihren Enkelkindern im Kontakt zu bleiben – und womöglich noch intensiver als je zuvor. Die Bevölkerung sind online unterwegs und in verschiedenen (auch: kreativen) Communities.

      Es ist schwer, sich bei Laune zu halten bei all den Hiobs-Botschaften weltweit. Doch wenn man das Licht am Horizont nicht erkennt, erstarrt man im Finsternis.

      Bleiben wir im Kontakt! 🙂
      Liebe Grüße,
      Merzmensch

      • Lieber Merzmensch,
        Zum Glück werden Menschen sehr kreativ, wenn es darum geht, in Notzeiten wie diesen in Kontakt zu kommen.
        Betagte Senioren, im Kopf noch fit, wären prima beraten, wenn ihnen jemand beim Entdecken virtueller Wonnen der Kommunikation helfen könnte. Bei einer alten Dame gelang mir das heute, ihr Whats App zu verklickern. Fernmündlich lotste ich sie dahin. Sie brauchte ein Bisschen länger und ein paar Anläufe, doch als es klappte, schickte sie mir ein Laut lachendes Herz.
        Wie verändert diese Zeit die Menschen und ihr Verhalten? Werden sie vertrauter miteinander und empfindsamer füreinander weil die Angst sie verbindet?
        Es erscheint mir bald so. Empathie in Politik, in Medien und Akademien setzt Feingefühl und emotionale Intelligenz voraus und vielleicht krankt es auch daran…?
        Was nutzt der klügste Kopf, wenn das Herz unbeteiligt bleibt? Alles will doch immerfort nur effizient sein.
        Kommunikation ist Kunst…

        Ja, bitte: Wir halten uns bei Laune, eine fabulöse Idee und ebenfalls eine Kunst angesichts der grausamen Zahlen.

        “Doch wenn man das Licht am Horizont nicht erkennt, erstarrt man im Finsternis.”

        Das haben Sie wirklich sehr schön gesagt. Poesie spricht wahr…

        Liebe Grüße,
        Amélie

  2. Gut, das mal zu betonen, lieber Merzmensch. Soziale Distanzierung ist der feuchte Traum neoliberaler Demokratiefeinde. Und dankeschön für die Anregungen zum sozialen Beisammensein, wenn auch nur digital.

    • Immer gerne, lieber Trithemius! Es gibt so viel zusammen zu entdecken! Allein die digitale Bibliotheken der Avantgarde (UBU-Web, zum Beispiel).

      Oder hier: http://eclipsearchive.org/
      „Eclipse is a free on-line archive focusing on digital facsimiles of the most radical small-press writing from the last quarter century.
      Eclipse also publishes carefully selected new works of book-length conceptual unity.“

      Bei aller Ausgangssperreneingeschlossenheit – das ganze Universum ist frei zugänglich.

  3. Wenn meine Nachbarn“ social distancing“ betreiben würden, dann sähe ich alt aus. Bin ich ja, aber ohne auch ihre „physische Präsenz“, könnte ich arme, „leprakranke“ Alte hier „verrecken“. [Levitikus, 13:45] wäre dann für mich bittere Wahrheit, da ich leider auch nicht mehr so gut zu fuß bin. Man kann sich über den Zaun etwas zureichen und zurufen und vor allem kann man Fragen, ob noch alles im grünen Bereich ist. Noch ist es und ich bin dankbar dafür.
    🙂

  4. noch ein PS,
    Eben erzählte mir meine Freundin, dass sie ihre goldene Hochzeit dank ZOOM dann doch noch mit Kindern und Enkelkindern in großer Kaffeerunde zelebrieren konnten, obwohl die Familie verstreut über die Kontinente leben und … es hat gut geklappt.
    Für mich als Technikmuffel ist das nur zum Staunen.
    😉

    • Danke für diese Nachricht – denn dies ist tatsächlich die neue Entwicklung! Klar, die menschliche Nähe ist was feines, aber alle gleichzeitug weltweit zusammen feiern, ist es auch schon was tolles. Ich habe immer das Gefühl, wir überbewerten die physische präsenz und unterbewerten die Fern-Kommunikation.

      (Ich habe ein Jahr lang mit meiner Freundin Fernbeziehung quer über die ganze Welt gehabt – nun sind wir mehr als 10 Jahre als verheiratet :-)) Ich denke, im 21. Jahrhundert werden wir bald merken, dass es viel mehr gibt, als nur Kommunikation, reduziert auf Kurzdistanz-Sinne.

      Übrigens, WHO hat nun empfohlen, „Physische Distanzierung“ statt „Soziale Distanzierung“ zu verwenden. Endlich! 🙂
      https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-who/who-message-to-youth-on-coronavirus-you-are-not-invincible-idUSKBN21733O

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