Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES


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#SocialMediaWalk: Luminale in Offenbach

P1230760Fiat lux!

Jede Reise führt zur Erleuchtung. Besonders, wenn es bei dieser Reise um das Licht geht.

Bei der Luminale, der Biennale für Lichtkunst und Stadtgestaltung 18.-23.03.2018 ging es genau darum. In zwei Städten – Frankfurt (Main) und Offenbach – waren die Lichtkünstler aktiv. Ein Grund, mal wieder mit dem Social Media Club Frankfurt loszuziehen.

Wir trafen uns im Offenbacher Rathaus. Ein brutalistisches Hochhaus mit Tendenz zum Wolkenkratzer. Dafür aber farbenfroh und voller Überraschungen. Nein, hier im Inneren hat Luminale noch nicht angefangen, doch die immerwährend wechselnden Verhältnisse zwischen Licht Schatten Form Farbe haben uns für längere Zeit gefesselt.

Doch dann begaben wir uns aufs Dach. Eine höchst seltene Gelegenheit, Offenbach von oben zu betrachten. Eine wunderliche Stadt, inspirierend und teils befremdlich, im Zustand der Gentrifizierung und allen Stereotypen (üblicherweise von Nicht-Offenbachern gepflegt) widersprechend. Man muss diese Stadt erleben, man darf nicht glauben, was man hört.

Du bist – – bist du? – Die Leute sagen, du wärest, – laß sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.
(Kurt Schwitters)

Doch schon mussten wir weiterziehen, unserem eigentlichen Ziel folgend. Luminale ist in Frankfurt und Offenbach an allen möglichen Ecken verteilt. Als ob ein Lichtkünstler mit seiner Pinsel voller Lichtfarben über die beiden Städte schwungvoll warf und hie und da fluoreszierenden Spuren hinterließ.

Vor dem Rathaus stand schon das erste Werk von Jale Somer und Sarah Melz „The Distance between us“. Leider waren die Lichtverhältnisse noch relativ hell, so dass man es nur so bestaunen konnte.

Eine Art Kamin mit einer Aufschrift darauf:

„Unglaublich guter Vers, der die Herzen entflammen und alle existenziellen Probleme dieser Welt auf einen Schlag lösen wird’“

Längere Zeit stand ich vor diesem künstlerischen Kamin und überlegte, welcher Vers das sein kann. Und vor allem, in welcher Sprache, da es hier um die Welt handelt. Vermutlich, dadaistische Lautgedichte eignen sich bestens dafür. Mein Herz wird zumindest entflammt, und alle existenziellen Probleme dabei so lächerlich erscheinen. Ein wahrhaftig spirituelles Erlebnis. Lange trr gll.

Doch – apropos spirituell: wir mussten schnellstens in die Kirche. In die Offenbacher Evangelische Stadtkirche. Hier konnte man ein Lichtprojekt „Licht und Leicht“ von Bernd Gotthardt erleben.

Die Kirche war gefüllt mit Farb-Schimmern, und Profilen, und Augen, und Fußstapfen, alles schien sich in einem Farbenreigen zu bewegen, auch wenn unbeweglich. Hier blieben wir noch längere Zeit, so dass der Guide uns nur mit Mühe herauszerrte.

Doch was erwartete uns draußen: dieser Himmel! Dieser Sonnenuntergang! Dieses Schattenlichtspiel! Was für eine fulminante Luminale!

Wer hat dieses geniale Kunstwerk im Himmel realisiert?! – fragten wir uns, als wir aus der Kirche heraustraten.

Nun mussten wir schnell zu Main, denn hier warteten auf uns Künstler von Underwater. Diese Künstlergruppe arbeitete mit synästhetischen Ideen: der Klang der Welt wiedergab sich in köstlichen Farben, mal weich, mal kalt, aber immer aromatisch, so kam es mir zumindest vor. Das Wechselspiel der Farben in den Glasfasern hypnotisierte. Menschen wie andere Lebewesen.

P1230763Und dieser Himmel!

Dann ging’s im Galopp weiter, vorbei an das Schiff-Restaurant Backschaft, das mit seinem Leuchten eine wunderbare Station der Luminale wäre, wenn das es wäre.

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War es aber nicht. So ist unsere selektive Wahrnehmung – wenn man der Luminale auf der Spur ist, sieht man überall das Licht. Und man fragt sich ständig: „Ist es Kunst, oder kann es da bleiben?“

Zum Beispiel: sind es Luminale-Objekte?

Nein, es ist offenbar Offenbach, mitsamt dem Mond, der uns die ganze Zeit schon folgt und unseren Weg illuminiert. Dann kamen wir bei B72 an. Ein KünstlerHaus, Atelier und Bühne. Mit Schwarzlicht erleuchtet waren die Räume. Die Künstler verteilten an die Zuschauer spezielle Stifte, die im Schwarzlicht leuchten.

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Dazu eine Ausstellung über die lebendigsten Wesen der Stadt Offenbach – Kakerlaken. In dunklen Sphären aus Pappmasche versteckten sich die kleine Welten, wunderbar entworfen und mit Liebe zu Detail zusammengestellt.

Anschließend machten wir ein Riesensprung zum Hafen – vorbei an den berühmten Blauen Kran, der bereits seit mehreren Luminalen leicht und dynamisch strahlt.

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Zum letzten Punkt unserer Exkursion, die bereits in Lichtgeschwindigkeit ablief: Sternstunden. So hießen mehrere Sternwarten-ähnliche Häuschen. Ihre Wände leuchteten grell, jedoch nur nach außen. Drin war es dunkel, und durch einen Spalt im Dach – wie in einem Observatorium – konnte man die Sterne beobachten. Mit bloßem Auge.

Wir verließen Luminale im Dunkeln der Nacht, doch hell erleuchtet. Und der Mond folgte uns weiter. Bis zum Ende.

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Künstliche Intelligenz [versus/meets] Avantgarde?

Während der Frankfurter Buchmesse – direkt neben dem ARTS+ Runway bewunderte ich „Manifest“ – ein wunderschönes Projekt der Künstlergruppe „robotlab„. Eine Industrieroboterhand zeichnet Texte auf – auf Englisch und Deutsch. Kurze Sätze, Aphorismen, ambivalent und bedeutungsschwer. Sätze wie

Ein Paradox ist keine Frage, kein Mahnmal, kein Phänomen, kein Mittel und auch keine Skizze.

All diese Texte haben einen Autor – Künstliche Intelligenz, die nach bestimmten Algorithmen die Stichworte zu den Themen Kunst, Philosophie, Gesellschaft generiert. Interpretation liegt im Auge des Betrachters.

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#SocialMediaWalk: Noch historischer! (Teil 2)

Aber auch das Historische des Historischen Museums Frankfurt ist sehr frisch und modern aufbereitet, genau so wie das (Post)Modern-Digitale von Frankfurt Jetzt! (S. 1. Teil meines Berichts)

In der Abteilung „Stadtbilder / Townscapes“ entdeckt man die originalgetreue Modelle der Stadt aus verschiedenen Jahrhunderten (im Gegensatz zu den künstlerischen Visionen in den Installationen der Gegenwart).

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#SocialMediaWalk: Historisch! (Teil 1)

Jetzt mal ehrlich, woran denken Sie bei einem Historischen Museum als erstes? Verstaubte Infotafeln? Antiquierte Exponate? Lokalpariotistisches Pferdchen? Klar, alles Stereotypen und Klischees, doch habe ich richtig geraten?

Falsch. Denn das, was ich beim #SocialMediaWalk zusammen mit dem Social Media Club Frankfurt im neuen Historischen Museum Frankfurt erlebt habe, änderte meine voreingenommene Haltung zu den Historischen Museen von Grund auf. Ja noch mehr –

Ich bin jetzt verrückt nach #HistMus.

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Merzmensch wird Marsmensch

Ja, Sie lesen richtig – ich fliege im nächsten Jahr zu Mars. Wenn alles nach Plan läuft, werde ich in Mai 2018 von Vandenberg (Kalifornien) losfliegen und ein halbes Jahr und 484.773.006 km später im November 2018 auf Elysium Planitia („Plateau des idealen Glückes“) auf dem Roten Planeten landen.

Glauben Sie immer noch nicht? Hier ist mein Ticket:
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Gut, ich fliege nicht direkt, sondern als ein Name auf einem Mikrochip:

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Source: NASA

Es sind schon jede Menge Leute mit dabei. Im Jahre 2014 ist der erste 8mm²-grosser Mikrochip mit 1,3 Millionen Leute ebenso schon auf dem Mars gelandet. Die Namenliste sah damals so aus:

 

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Source: NASA

Fliegen Sie doch mit! Bis zum 1.11.2017 ist es noch möglich, auf der Webseite von NASA sich zu registrieren. Sie können dann übrigens Ihre Reise auf dem Rote Planet mit Hilfe der Virtuellen Realität mitverfolgen.

Take me to the Mars!


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#SocialMediaWalk: Endlich (Ein Fotobericht)

Endlich #Instawalk. Endlich Jüdisches Museum. Endlich jetzt.

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Seit 2010 besteht in Frankfurt die Vertretung des weltweiten Social Media Club. Und endlich habe ich Social Media Club Frankfurt für mich entdeckt – und sofort an ihrem Social Media Walk teilgenommen. Bei diesem Event treffen sich Social Media Leute offline, bleiben jedoch online – und diese zwei Dimensionen werden eins. Man besucht Museen, folgt den Exkursionen – und twittert, instagrammt, facebookt.

Am Mittwoch waren wir im Frankfurter Jüdischen Museum / Judengasse. Dieses Museum liegt am alten Jüdischen Friedhof – zweitältesten Nördlich der Alpen. Endlich habe ich dieses Friedhof betreten können. Denn: ich wohnte an diesem Friedhof 7 Jahre lang – die Fenster meines Abeitszimmers schauten auf die weite Parkanlage:

22580776_368848010232022_5089231393276297216_nIch hatte sogar einen treuen Freund, der mich jahrelang besuchte und am Ast gegenüber sass:

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Doch, „ein Schuster ohne Schuhe“, wie man so schön sagt, so habe ich bisher diese erhabenes und charismatisches Territorium nie betreten, auch wenn es seitens des Jüdischen Museums Führungen gab.

Bis zu diesem Mittwoch, als ich zusammen mit Dutzenden anderer Social Media Leute zusammentrafen (hier als Bild).

Was haben wir vorgefunden? Eine geschichtlich unglaublich dichte Atmosphäre und faszinierenden Einsichten.

Hier kommt mein Fotobericht des Social Media Walks.

Bald gibt es einen weiteren Social Media Walk – und ich kann es kaum erwarten, die Grenze zwischen dem Sozialen und Virtuellen wieder in Frage zu stellen.


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Autor mit tausend Beinen

Wenn Sie denken, Sie haben auf der Buchmesse bereits alles gesehen, dann warten Sie mal ab! Denn plötzlich – inmitten der digitalen Novationen und des originalgetreuen Faksimiles von Voynich Manuskript, inmitten der AR/VR und PR Wirrwarr, inmitten der babylonischen Sprachverwirrung stolpern Sie plötzlich über dieses gar seltsame Buch.

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Das Buch besteht aus Gedichten, Kurzgeschichten samt akkuratem Inhaltsverzeichnis.

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Doch welche Sprache ist es denn? Das Buch ist weder in chinesischer, noch in japanischer, noch in einer anderen, mir bekannten Zunge verfasst.

Eine Kunstsprache à la Codex Seraphinianus?
Falsch.
Asemisches Schreiben?
Falsch.
Kodierte Schrift?
Ebenso falsch.
Was ist das? Wer hat’s geschrieben?

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