Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES


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do you know who i am before i gone missing ?

wissen sie wer ich bin bevor ich verschwunden ?

Diese kryptische Botschaft in einem etwas seltsamen Englisch wurde in mehreren Briefumschlägen in den Londoner U-Bahn-Zügen (oder tubes) aufgefunden.

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Wer ist da? Wer wird vermisst? Und wer sind wir? Die Suche geht weiter – in meinem viralen Blog.

P.S. Und natürlich auch hier geht es nicht ohne Kurt Schwitters.

 

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Absurdität in Zeiten der Robotechnik

Camus sagte einst, Sisyphos solle glücklich sein, da er ein Ziel in seinem Leben habe, den immer herabrollenden Stein stets bergauf zu schieben.

Philipp K. Dick fragte sich einst, ob die Androiden über die Schafe träumen.

Ich weiss nicht, worüber sie träumen, doch glücklich sind sie doch, wenn sie ein funktionierendes System aufrechterhalten können, unter Stresszuständen. Wie zum Beispiel hier:

Wo ein Mensch, in ein Kafkaeskes System des Absurden versetzt, schnell an seine Grenze gelangt, läuft die Maschine tüchtig und lebensfroh weiter. Wir brauchen mehr Maschinen. Um das Absurde zu überwinden.

(via gizmondo)


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Das wundersame Verschwinden von Bruno Borges

Manchmal kann die Wirklichkeit viel seltsamer sein, als die Fiktion. Manchmal wissen wir nicht, wo die Fiktion und Wirklichkeit sich ineinander verschlingen. Manchmal wissen wir wirklich zu wenig. Und können zu wenig erkennen.

Giordano Bruno sagte einst:

Die unzureichende Sinneswahrnehmung widerlegt die Unendlichkeit nicht.

Und genau deswegen wurde er von der Kirche ins Verderben gestürzt. Er glaubte an die Unedlichkeit des Universums. Er glaubte ausserdem auch an die existierenden Lebensformen ausserhalb unserer Erde (dafür wäre er nicht nur von der Kirche, sondern auch von der kontemporären Wissenschaftsgemeinschaft hingerichtet).

Nun, 400 Jahre später. In Brasilien. Ein Psychologie-Student Bruno Borges, ein inspirierter Anhänger von Giordano Bruno, verschwindet unter mysteriösen Umständen und hinterlässt ein Zimmer voller Wunder und Rätsel.

Source: https://horrorfakten.com/bruno-borges/

Was wissen wir bisher?

Sein Zimmer wurde innerhalb eines Monats komplett umgestaltet. Als seine Eltern nach einer einmonatigen Reise zurückkamen, fanden sie den Studenten nicht mehr. Dafür sah sein Zimmer wie eine Mischung aus Merzbau und einer Kryptography-Ausstellung aus. Alle Wände sind bedeckt mit kodierten Nachrichten, auf den Tresen liegen grosse selbstgebundene Hefte, ebenso mit chiffrierten Texten. Und in der Mitte steht eine Riesenstatue von Giordano Bruno.

Hier als Video:

Vor dem Verschwinden hat Bruno sich sehr für die extraterrestrische Theorien von Giordano Bruno interessiert (daher auch das Gerücht, er sei nun von Alien obduziert worden).

An den Texten hat sich bereits Klaus Schmeh versucht, es ist Portugiesisch. Eine Facebook-Gruppe, grösstenteils aus den Muttersprachlern bestehend, (momentan 7.000 Mitglieder), versuchen die weiteren Codes zu knacken. Es gibt bereits eine Webseite mit dem Übersetzungstool und auch ein Blog mit aktuellen Fortschritten.

Jemand entdeckte auch Cicada 3301 Zeichen:

Quelle: https://horrorfakten.com/bruno-borges/

Bekanntlich, ist Cicada 3301 eine unbekannte Gruppe der Kryptographen, die jedes Jahr neue Rätsel und Wettbewerbe online veranstalten. Die Spekulationen über die Urheber oszillieren zwischen ambitionierten Hackern, Geheimdienst-Headhunter, Illuminati, Marketing-Agenturen und ähnichen üblichen Verdächtigen. Steckt er dahinter? Gehörte er in früheren Jahren zu den Finalisten der Krypto-Wettbewerbe? Ist er einfach ein Cicada-Fan?

Mittlerweile entdeckte man auch den Urheber der Statue, Jorge Rivaplasta, der Kunstprofessor und Direktor der Kunstschule Escola de Artes Rivasplata. Nebenbei Mitglied einer Freimaurerloge.

Source: http://imgur.com/a/STDnT
Source: https://www.facebook.com/jorgeeguadalupe.rivasplata
Source: https://www.facebook.com/groups/263107910816676/permalink/266446817149452/

Die Statue wurde angeblich 2015 erstellt, und erst durch Bruno (der bei seinen Eltern dafür einige Tausend Dollar ausliehe) neulich erworben. Es wird vermutet, dass Bruno Borges mit Jorge Rivaplasta seit Jahren befreundet sind. Vielleicht bekam Bruno auch handkräftige Hilfe bei der Umgestaltung seines Zimmers?

Zum Beispiel, einige stilistische Ähnlichkeiten zwischen den Bildern im Zimmer

und dem Stil der Kunstschule Escola de Artes Rivasplata

Ausserdem – naheliegender Hinweis: innerhalb der vielseitigen Chiffrierungen findet sich auch folgende:

Source: http://imgur.com/a/STDnT

Dabei handelt es sich um Pigpen Cipher (Freimaurer-Alphabet):

Wobei, wie man sieht, die blauen Buchstaben sind nicht kohärent mit dem roten Schlüssel. D.h. eventuell ganz andere Geschichte.

Noch eine Bemerkung: vielleicht eben die Ausrichtung der Statue hat eine bestimmte Bedeutung?

Source: https://www.thesun.co.uk/news/3262463/illuminati-obsessed-student-bruno-borges-vanishes-brazil-alien-hunter/

Fragen über Fragen. Was denken Sie dazu? Sind es Phantasmen eines Verrückten? Ein Geniestreich? Wer ist Bruno Borges?

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Ein ketzerischer Gedanke nagt an mir nichtsdestotrotz. Der Name des Studenten ist Bruno Borges, so nennen ihn auch seine Eltern, ist also kein Pseudonym. Er ist ein Fan von Giordano Bruno. Sein Leben scheint einem Buch von Jorge Luis Borges zu entspringen. Ist er nicht etwa ein virales Objekt? Das frage ich, der seit Monaten nach einem ARG zum neuen Film von JJ Abrams, „The Gods Particle“ wartet. Selektive Wahrnehmung, vielleicht?

Dieser Artikel wurde ursprünglich in meinem Transmedia-Blog veröffentlicht.

P.S. Wie lieber Trithemius hervorhebt, der PigPen-Code oben ist nicht ganz korrekt. Es gibt jedoch noch jede Menge von sprachkulturunterschiedlichen PigPen-Matrici. Hier finden Sie einen Dechiffrierungstool für alle möglichen PigPen-Varianten:

http://www.quadoo.de/freemason/freimaurer-decoder.html


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Astronaut.io – Voyeurismus der vergänglichen Dinge

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Erstens, Tag auch, alles Gute im Neuen Jahr und Glückwünsche zu weiteren Feiertagen, die genehmigt und ungenehmigt, konventionell oder experimentell, gesetzlich oder spontan manifestiert wurden.

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Wie wir bereits wissen, alles ist vergänglich. Die Japaner haben da sogar einen Begriff dazu: 物の哀れ, gesprochen wie „mono no aware„. Diese philosophische Haltung beschreibt die bewundernde Kontemplation, faszinierende Betrachtung der Dinge, mit der ständigen Gewissheit, dass diese Dinge vergänglich sind.

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In der heutigen multimediellen und postmordenden postmodernenen Zeit sind die Dinge bewegt, sie bewegen sich in uns, durch uns und um uns herum.

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Videos befüllen unsere Videokameras, Handys, Youtube-Accounts. Wir dokumentieren Dinge ohne (oder auch mit der) Gewissheit derer Vergänglichkeit. Doch durch das Dokumentieren wird die Vergänglichkeit aufgehalten.

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Es gibt zig Millionen Videos, die noch nie – von niemandem – gesehen wurden. Und gerade damit beschäftigt sich Astronaut.io. Diese Seite lädt Sie zum Flanieren und Dahinschweben über unserer erbärmlichen – und doch so wunderschönen – blauen Kugel, voller Leben, voller Fragen, voller Schicksale.

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Die Seite begrüsst den Zuschauer und beschreibt ihn sogleich wie ein Astronaut.

„Sie schweben im inneren Raum 100 Meilen über der Erdoberfläche. Sie starren aus dem Fenster und das ist, was Sie sehen. Sie schauen mensch. Das sind die dahineilenden Momente.

Diese Videos kommen von YouTube. Sie wurden letzte Woche hochgeladen und tragen Titel wie DSC_1234 oder IMG_4321. Sie wurden davor nie angeschaut. Sie sind namenlos, unbearbeitet und von niemandem gesehen, ausser von IHNEN.

Die Astronaut Videoübertragung beginnt, wenn Sie auf GO klicken. Die Videos wechseln ständig. Möchten Sie verweilen, so klicken Sie auf den Knopf unter dem Video“

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Fahren Sie fort, fliegen Sie, schweben Sie, werden Sie Voyeur, werden Sie Welltall-Flaneur, meditieren Sie los in dieser meditierenden Mischung aus David Lynch und Lars von Trier, dem Alltag und Ödnis, Skurillitäten und Langeweiligkeiten, die zusammen zu einem werden:

das Leben.

Hier finden Sie Astronaut.io.

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Und hier ist mein Videofavorit für heute.

P.S. Für die Inhalte, die hier erscheinen, ist die Menschheit verantwortlich. Ich kann nichts garantieren. Sie können einen zum Schmunzeln bringen, zum Nachdenken, oder auch verstören, oder auch empören. So ist der Lauf der Welt.


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„Assoziationen sind erwünscht“

Nennen Sie es berufliche Blindheit, geistige Trägheit oder Bullshitbingo der Marketingabteilung – je nach dem Grade Ihrer Verbissenheit. Doch anders kann ich mir die Genese dieses Meisterwerks nicht erklären.

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Am Frankfurter Hauptbahnhof hat sich einiges getan, und dieser Neudesign ist mittlerweile nicht mehr so neu. Aufgefallen hat er mir dennoch erst jetzt.

Wahrscheinlich war der Ausgangspunkt dieses Umgestaltungsprojektes „Green City“. Man kennt sie ja, diese klobrige Marketing-Stunts, um de juro und de facto zu erzwingen. Und um die Wohlbefindung der Kunden vorwegzunehmen.

Andererseits, diese sagenhafte Perspektive eines Waldes, wo die Baumstämme ins ungewisse Neblige verschwinden, die kennen Sie bestimmt auch. Das Erhabene, das Mysteriöse.

Nun ist dieses Motiv des Waldes, der Natur, Arcadia, locus amoenus, ein durchaus bestrebend, als ein kurzer Escapismus-Abstecher im grauen Alltag.

Das sollte der Verschönerung des Hauptbahnhof genügen. Doch nein, für das Konzept war das doch wohl zu wenig. Es fehlte der Ortsbezug. 

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So hat man das Metaphorische des Waldes konkretisiert, indem man über die Fotoaufnahme des Waldes „TAUNUS“ drüber schrieb. „Is Taunus, in der Nähe. Ortsbezug“.

Man „löst die Raumgrenzen auf“, was zu begrüßen ist. Deklaustrophobisierung. Doch: ein Wald, und die „Bahnsteige erweitern sich ins Unendliche“? Na das ist doch so ziemlich Kafkaesk.

Jedenfalls das mit Taunus war wohl zu wenig, da dieser grüne Ort zu weit von der Stadt entfernt. Näheren Ortsbezug bitte. Und hier kam die glorreiche Idee: das sind keine Bäume, das sind die Stützen der Bahnhofshallen. Die gehen ins Unendliche. Aber natürlich!

„Assoziationen zu Natur sind erwünscht“, erhöffen die Konzeptautoren. Doch man kann die Assoziationen nicht erzwingen. Und so muss ich bei diesem Gestaltungskonzept daran denken, wie man unter dem Bahnhof, zwischen den Hallenstützen herumirrt, umgeben vom kalten Nebel der Kanalisation und unsichtbaren, doch überall präsenten Ratten. Ein Gespür der Unsicherheit bahnt seinen Weg durch meine Assoziationsketten.

Wahrscheinlich war ich nicht der Einzige mit dem Gefühl. Denn bei der Projektabnahme erspürten das wohl einige.

So, als letztes Tüpfelchen wurde  das Schlagwort „Sicherheit“ reingepfercht. Einfach und direkt, ohne kompositorische Überlegungen. Irgendwo drüber.

So. Jetzt aber.

 


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Impressionisieren Sie doch mal.

New Yorker Botanischer Garten ist nicht nur für seinen 16 Hektar grossen Baumbestand oder seine Riesenbibliothek bekannt. Seit neulich sind sie auch literarisch-kunsthistorisch unterwegs – mit Emily Dickinson (2010), Monet (2012), Frida Kahlo (2015) und nun mit der Ausstellung „Impressionism: American Gardens on Canvas„.

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Photo: Allison Meier, hyperallergic.com

 

Man findet hier keine Kunstwerke der genannten Künstlern, doch der Garten stellt eine Art inspirierende Post-Wiederherstellung der Locus Amoenses dar, die die amerikanische Impressionisten so impressive machten.

Aber auch wenn Sie es doch nicht schaffen, mal kurz rüber nach NY zu taxieren, bietet der Bonatische Garten eine interaktive Online-Spielerei: eine Art animierte Nachempfindung der Impressionisten, die Impressify App. Man muss dafür weder Smartphone noch Tablet besitzen, sondern werden die Bilder, die Sie impressifisieren möchten, per Browser hochgeladen und dann – nach einigen beliebigen Einstellungen – generiert, gerne auch als eine GIF-Animation. Klar, entstehen dadurch total epigonale wannabe Impressionismus-Nachahmungen, doch amüsant ist es nichtsdestotrotzdem 😉

Hier ist mein bescheidener Beitrag:

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Und hier das Original, von mir in Kroatien aufgenommen:

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Kitschig, aber fein. So wie die Werke von Schwitters, die er in Norwegen erstellte, um vom Hunger nicht verrückt zu werden, während er zu gleicher Zeit an seinen Merzbauten arbeitete.

(App gefunden via hyperallergic.com)