Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES


Hinterlasse einen Kommentar

Die Grenzmauer zwischen Traum und Wirklichkeit.

Ich habe heute die Grenze zweier Welten gesehen: zwischen Traum und Wirklichkeit.

Es war weitaus mehr als nur eine dünne, durchlässige Membran. Es war eher wie eine Mauer. Eine solide riesige Konstruktion im Stil des Brutalismus, ein Bauwerk wie die Chinesische Mauer. Mit Türen und Fenstern zu beiden Seiten. Mit Treppen und Korridoren und Sälen und Räumen im Inneren. Die Grenzmauer.

Ich bahnte mir meinen Weg durch die langen Korridore, als ich hinter verschiedenen Fenstern andere Träume und Realitäten sah. Ich habe auch Träume in Räumen gesehen, die sich im Inneren der Grenzmauer befanden. Sie sahen aus wie die Bühnenbilder.

Aber da war noch mehr: Sogar ein komplettes Museum für Moderne TraumKunst (Museum of Modern DreamArt) mit verschiedenen Ausstellungen, voller flanierenden Besuchern. Hier und da pulsierten räumliche und zeitliche Installationen.

 

Ich betrat eine Ausstellungsshalle des Fotografen Karl-Heinz Sätzer. Er hatte einen riesigen, lichtdurchfluteten Raum für seine Fotografien. Fotografien von Menschen, die nie existiert hatten.

Auf der


Ich bin aufgewacht.

Es war 4:23 Uhr morgens.

Draußen sangen die ersten Züge ihre Post-Serenaden. Es war zu spät zum Schlafen und zu früh, um das Bett zu verlassen. Ich befand mich innerhalb der Grenzmauer. Ich habe das Licht gesehen.

9a6003af164f1e9f01ee_hires


Ein Kommentar

Europa Redux. Fall: Ungelöst.

ERvFhwkXYAAkpDG-Header

Fragment aus den geheimnisvollen Manuskript. Reproduktion von Honey&Wax

To English Version.

Die Jagd auf seltene Bücher ist spannender als eine Schatzsuche. Bücher sind merkwürdig und launisch; sie erzählen ihre Geschichten auf eine raffinierte, weise und witzige Art, ganz anders als so ein weiterer glänzender Diamant.

Niemand weiß das besser als Heather O’Donnell, eine Buchhändlerin, Forscherin und – lassen Sie es mich so nennen: Buchjägerin. 2011 gründete sie Honey & Wax Booksellers in Brooklyn. Und einige Jahre später eröffnete sie zusammen mit Rebecca Romney einen Honey & Wax Book Collecting Prize, um vor allem junge Frauen für das Entdecken seltener Bücher zu begeistern und zu motivieren

Wir ermutigen aufstrebende Sammler, den Büchern, die sie faszinieren, Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn sie noch nicht sicher sind, warum. Was sehen Sie, was andere nicht sehen? Wenn Sie eine Theorie über die Geschichten haben, die Ihre Sammlung erzählen könnte, und die Neugierde, herauszufinden, ob Sie Recht haben, sind Sie ein echter Sammler im Werden. (Quelle)

Seltsames Manuskript.

Gefundene Manuskripte von unbekannten Autoren haben immer eine Enigma inne. Weder wissen wir, wer der Autor war; noch, was den Autor motiviert hat. In bestimmten Fällen ist es gar schwer zu erklären, worum es in dem Manuskript eigentlich geht.

Die Geschichte ist voller solcher Entdeckungen – wie das Voynich-Manuskript, das Œuvre von Charles A.A. Dellschau, der Codex Seraphinianus. Nun, der letztere ist von einem italienischen zeitgenössischen Künstler, Luigi Serafini, gemacht worden.

Voynich Manuscript (Source: beinecke.library.yale.edu) // Charles Dellschau Collages (Stephan Romano Gallery) // Codex Seraphinianus

Über Dellschau als Autor wissen wir (auch nach den umfangreichen Recherchen) fast nichts. Noch weniger wissen wir über das Voynich-Manuskript, das zur Sammlung der Beinecke Rare Book & Manuscript Library der Yale University gehört, wo übrigens Heather O’Donnell als kuratorische Assistentin arbeitete.

Vor einiger Zeit stieß sie auf ein geheimnisvolles Manuskript. Es bestand aus 106 losen Blättern, die fast 7000 kleine Farbabbildungen eines unbekannten Künstlers enthielten und mit den Jahren 1940-1946 datiert waren. Sie kaufte dieses Manuskript von einem deutschen Buchhändler, der es in Zürich erworben hatte.

Gegenwärtig trägt das Manuskript den Codenamen „Europa Redux„.

Auf der Suche nach Hilfe, um die Botschaften zu entziffern und den Autor zu identifizieren, eröffnete sie ein Instagram-Konto:

https://www.instagram.com/europaredux/

Versteckte Botschaften? Psychiatrie? Mysterien?

Trotz einer beträchtlichen Anzahl von Zeichnungen wird kein Motiv wiederholt. Aber wir können einige Kategorien beobachten:

  • Menschen, die etwas tun
  • Straßenansichten
  • Industrielle Motive
  • Landschaften
  • Abstrakte Kunst

Es gibt viele bühnenähnliche Dekorationen:

View this post on Instagram

A puzzle?

A post shared by @ europaredux on

Aber die wohl rätselhaftesten Teile sind all diese „Unterschriften“ (falls das überhaupt solche sind): in einer unbekannten Sprache, die manchmal an Schwiizerdütsch, manchmal an Esperanto und andere reale und fiktive Sprachen erinnert.

84291469_914003445722006_8082760825317068403_n

Courtesy Honey&Wax Books

LEBSEAN, OHI AHI, KAMPH eh, O’ruh – sie klingen wie verzerrte Begriffe oder dadaistisch zerstückelte Wörter. KAMPH eh wie Kämpfer, Ruh in O’ruh?

Im Gegenteil, man emtdeckt auch vorhandene – oder angeblich verständliche – Wörter:

Courtesy Honey&Wax Books

KOMPTOIR ist ein Schweizer Begriff für „Zähltisch“.
AKTI ist ein leicht verzerrtes Wort „AKTE“ (oder „AKTENTASCHE“), das „Aktentasche“ bedeutet.
GRAND MACAZINE sieht aus wie GRAND MAGAZINE – ist es ein Zeitungsverlagsgebäude? Tages-Anzeiger?

In den Instagramm-Kommentaren zum teilen Besucher ihre Ideen und Hypothesen über Sprache und Bedeutung.

Courtesy Honey&Wax Books

Piliz bedeutet auf Deutsch Pilz / Signo könnte ein Zeichen bedeuten / in Torri kann man das deutsche Wort Tor (Tor) erkennen, wie Stefan Mesch bemerkt.

85181323_132073174835178_5487094538121587877_n

Courtesy Honey&Wax Books

Ringbahnpoesie teilt auch einige Ideen dazu:

Steno rhi“ klingt wie „Stein am Rhein„, ein kleines historisches Städtchen im Nordosten der Schweiz, und die Architektur sieht tatsächlich so aus wie die hier abgebildeten Häuser. „Nibeli“ ist ein altes schweizerdeutsches Wort für ein mürrisches Gesicht, wie es gezeichnet wird.

Wenn wir das STENO RHI mit Ansichten der Stadt „Stein am Rhein“ vergleichen, gibt es in der Tat viele architektonische Ähnlichkeiten:

1_jBUtp9RSxPAtS3ch57zu6Q

Auch könnten wir KLENO TRIP als „Kleiner Ausflug„, einen „kurzen, spontanen Spaziergang„, verstehen.

Korneli – Maiswand? (nicht British Cornwall, sondern nur Wall of Corn):

„“Wales“ leitet sich ab von dem proto-germanischen Wort Walhaz, das „romanisierter Ausländer“ bedeutet; über Old English welisċ, wælisċ, wilisċ, was „Romano-British“ bedeutet; bis hin zum modernen englischen Walisisch. Dieselbe Etymologie gilt für Cornwall und für Wallonien in Belgien.“ (Wikipedia)

Und wir haben auch Wallis in einem anderen Bild:

Ist es Rätoromanisch? Oder Französisch? Wisst Ihr noch, in Faust I:

Das Püppchen geknetet und zugericht’t,
Wie’s lehret manche welsche Geschicht‚.

Wo „welsche Geschicht“ auf die frivolen Französischen Romane zurückzuführen sei.

Manchmal scheint die alternative Realität mit unserer zu verschmelzen, wenn wir dies sehen:

View this post on Instagram

A name I know, an image I don’t.

A post shared by @ europaredux on

Auch bei aller Kenntnis des weltberühmten Namens kann ich das Motiv immer noch nicht nachvollziehen.

Einige Bilder mit abstrakten, aber präzisen Formen und frischen Farben ähneln russischen Konstruktivisten und Suprematisten wie Kasimir Malevič oder auch Dadaisten und Kubisten wie Tristan Tzara und Fernand Léger:

V.l.n.r.: Europa Redux (Honey&Wax Books) // Rechts: „Suprematismus“ von Kasimir Malevič, 1915 // Tzara&Leger, La Face Interíeure, 1953

Heather O’Donnell vermutet, es könnte eine „Art und Weise sein, eine Besessenheit zu verarbeiten“, Kunst als Therapie.

Ich habe diese Bilder mit einer KI-generierten Kunst verglichen (die auf einer riesigen Kunstbilddatenbank trainiert und während kontinuierlicher Iterationen erstellt wurde). Hier ist ein Beispiel, das ich kürzlich mit Hilfe von StyleGAN2 erreicht habe:

View this post on Instagram

AI generated art. #StyleGAN2

A post shared by Merzmensch (@merzmensch_kosmopol) on

In den Kommentaren schrieb Heather O’Donnell eine interessante Beobachtung:

Es gibt ein Gefühl, als ob das Europa-Manuskript durch einen Algorithmus erzeugt zu werden scheint, die Ideen immer wieder durcharbeitet, ohne sie jemals exakt zu duplizieren. Der Händler, von dem ich es gekauft habe, glaubte, dass es das Werk eines Geisteskranken mit einer Form von der Zwangsstörung sei.

 

Was ist nun Europa Redux?

Wir können nur raten, ob es sich um eine echte Sprache oder um einen Code handelt. Vergessen Sie nicht – das Manuskript wurde angeblich während des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz erstellt. In jenen dunklen Tagen wurde die Schweiz wieder ein Exilziel für Flüchtlinge (wie während des Ersten Weltkriegs), aber die friedliche Atmosphäre war mit verschiedenen pro-nazistischen Bewegungen in der Schweiz trügerisch.

Haben Sie eine Vermutung, worum es hier geht?

Verfolgen Sie die Geschichte von Europa Redux auf Instagram.

Ich bin genauso fasziniert (und ratlos) wie Sie.


4 Kommentare

Kurt Schwitters. Die Sammelkladden, 1919-1923

Kladden-tumblr_n3pflqESBh1qa1h85o1_500

Da! Da! Hier ist es: die Neu-Edition von Schwitters‘ Texten, veröffentlicht schnurstracks vom Schwitters-Archiv, Schwitters Stiftung, Schwitters Museum, Schwitters Stadt und Schwitters-Experten.
Wieso? Weil die Edition von Friedhelm Lach (1973-81) textuell und wissenschaftlich nicht haltbar ist (leider, leider, sage ich mit einem LACHenden Auge – denn der Herr hat für Schwitters ein Riesenverdienst geleistet – ungeachtet seiner problematischen Textologie).
Was ist das? Ja, geneigte Leserin und nicht weniger geneigter Leser: dieses ca. 1000 Seiten starke Band 3 der Neu-Edition enthält nur wenig Texte von Kurt Schwitters persönlich – es sind vielmehr Rezensionen, Briefe, Postkarten etc., die er erhielt und zu mehreren kollage-artigen Kollagen (=Sammelkladden) kollagierte. Somit haben wir es auf einmal nicht mit Schwitters‘ Werken zu tun, sondern mit Schwitters höchstpersönlich – was er auswählte, was er las, was er in seinen Werken verarbeitete. Eine Meta-Perspektive auf MERZ-Künstler, mit reichlichen Kommentaren der Schwitters-Experten versehen.

Wenn Sie jetzt (oder auch später, oder irgendwann, falls überhaupt) einen tieferen Blick in diese kostbare Neu-Edition werfen möchten, empfehle ich Ihnen hierher reinzuschauen. Nur so, auf alle Fälle.


9 Kommentare

Peter Urban. 1941 – 2013

Peter Urban. Photo: Vladimir Perelman ©Pjotr Kropotkin, Velimir Chlebnikov, Anton Čechov, Ivan Bunin, Ivan Turgenev, Isaak Babel, Matija Bećković, Augusto Boal, Joseph Brodsky, Miodrag Bulatović, Daniil Charms, Bora Ćosić, Brana Crnčević, Miloš Crnjanski, Miloš Crnjanski, Michail Demin, Leonid Dobyčin, Nikolai Gogol, Ivan Gončarov, Gennadi Gor, Maxim Gorki, Alexander Gribojedov, Jelena Guro, Josef Jedlička, Venedikt Jerofejev, Vladimir V. Kazakov, Danilo Kiš, Mirko Kovač, Michail Lermontov, Jurij Ljubimov, Osip Ė. Mandelʹštam, Mihailo Marković, Milan Nápravník, Vladimir Odojevski, Aleksander Ostrovskij, Miodrag Pavlović, Dmitrij Prigov, Aleksander Puškin, Dušan Radović, Tomaž Šalamun, Jevgenij Samjatin, Leonid Šejka, Vladimir Sorokin, Lev Tolstoj, Predrag Vranicki, Konstantin Vaginov, Richard Weiner, Ivan Wernisch, Alexander Vvedenskij


Peter Urban. Photo: Vladimir Perelman ©

Sie alle besuchten die deutsche Lesestuben, sie alle konnten ihre Gedanken teilen, sie allen sprachen deutsch – dank Peter Urban. Wie richtigerweise die Süddeutsche schreibt: „Übersetzer“ wäre zu wenig, um Peter Urban zu beschreiben. Er war Forscher, er war Schriftsteller, er war Kulturvermittler und bekam dafür den Turgenev-Preis. 

Doch vor allem: seine Übersetzungen sind der seltene Fall, bei dem ich das Adjektiv „kongenial“ anwenden möchte. Ich sage es als Bücherfreak, als Literaturwissenschaftler und als Slavist. Hier nur einiges aus seinen Verdiensten:

  • Er hat Daniil Charms für die Westliche Welt geöffnet (während die Texte dieses Avantgardisten im Osten nur streng geheim, als Abschriften, unter den Tischen weitergegeben wurden).
     
  • Er weigerte sich, Lyrik von Puškin zu übersetzen, nur seine Prosa. Denn – und diese bittere Wahrheit ist umso bitter, wie wahr sie ist – Puškins Gedichte sind unübersetzbar. Übersetzen – ja, aber das wird nicht mehr der beflügelte Genie aus Petersburg sein, sondern ein gemimter Stereotyp. Und recht hatte er.
     
  • Er machte die russische Literatur in Deutschland wieder salonfähig – frei von schwulstigen Bemühungen früherer Übersetzer, die vor allem hinter dem Entdecken der berüchtigten „russischen Seele“ her waren. Aber andererseits adaptierte Peter Urban nicht plump. Er arbeitete wie ein Profiler – er lebte sich in die Autoren hinein. Und das lässt sich lesen, sage ich Euch.
     
  • Seine Veröffentlichungen haben neben dem grossen literarischen Wert auch Wissenswert – durch die Anhänge und Erklärungen. So bekam der Leser eine allumfassende Sicht auf die Realien der Zeit, die in den Texten herrschte.
     
  • Er forschte. Er übertrug nicht nur aus einer Sprache in die andere. Er reiste viel, er wühlte in Bibliotheken, er jagte unermüdlich nach Hinweisen, so dass seine Bücher einen enzyklopädischen Wert als Bonus bekamen.
     
  • Er war Lorbeerkranz-scheu. Ruhm interessierte ihn überhaupt nicht. Auch wenn er mit internationalen Preisen überschüttet war. Er war eine grosse Person, ohne dies kultivieren zu wollen. Er lebte für die Weltliteratur.

Und das, nur um einiges zu nennen, machte aus Peter Urban die archetypische Figur eines Übersetzers (schon wieder diese einschränkende Bezeichnung…). Doch was sage ich – lest Bücher in seiner Übersetzung und bereits nach den ersten Absätzen werdet Ihr das Buch nicht aus der Hand lassen wollen.

Nun, diese Woche, am 9. Dezember 2013 ist er von uns gegangen.

Das ist, eigentlich, alles (Charms).

Nein. Nicht alles. Bei weitem nicht alles. Denn er existiert in jedem Buch, das er so detailverliebt herausgab. Seine Stimme hört man in jeder Fussnote – während der Text an sich der Stimme des Autors gleicht – nur plötzlich auf Deutsch. Ohne landesspezifischen Akzente. Ohne Anbiederungen an die Leserschaft. Ohne Adaptation.

Einfach lesen.


3 Kommentare

A Million Little Pictures

Sind Sie zufälligerweise in Brooklyn dieses Wochenende? Wenn ja, könnten Sie auch meine Fotos sehen. Meine Beiträge zum bereits erwähnten Fotowettbewerb „A Million Little Pictures“ von Sketchbook Project sind nämlich bereits angekommen und werden dieses Wochenede ausgestellt.

Falls Sie jedoch nicht in den nächsten Stunden nach Brooklyn schaffen sollten, hier habe ich alle Fotos vorbereitet, die jetzt in New York (zumindest 2 davon) hängen.

_AMLP-20130829-015

Und hier die Gallerie mit allen meinen anderem Aufnahmen.

http://www.flickr.com/photos/vladix/sets/72157636009002805/

Wie man sieht, die Einweg-Kamera hatte nicht unbedingt die beste Optik. Doch das zählt ja nicht 😉


3 Kommentare

Tyree Callahan: Chromatic Typewriter

Wenn Sie denken, die Schreibmaschinen haben Ihre Blütezeit hinter sich, dann irren Sie sich. Denn sie metamorphieren geradezu zu einem neuen Künstlerwerkzeug – und das lässt sich sehen. Der in Washington angesiedelte Künstler Tyree Callahan hat nämlich so eine Schreibmaschine modifiziert, wie Weburbanist berichtet. Er nennt es „Chromatic Typewriter

Die Schreibmaschine sieht so aus:

chromatic-typewriter

Der Typenhebel trägt jedoch keine Literas und druckt keine Buchstaben. Es sind eher in einer speziellen Farbe durchgetränkten Schwämme, die auf eine wunderbare Art und Weise solche Bilder erzeugen:

 

chromatic-abstract-art-prints

Es ist schon erstaunlich, dass man diese Gemälden tippt, statt zu malen.

Auf der Seite des Künstlers findet man eine Reihe von solchen Werke, aber auch andere interessante und surrealistische Installationen: http://www.tyreecallahanpaintings.com/enter

Er wurde in der neusten Ausgabe von „the bleed“ veröffentlicht, eine Zeitschrift für experimentelle und kontemporäre Kunst. Auch interessant 😉


2 Kommentare

Multilinguetry Manifest

Dichtung in allen Sprachen gleichzeitig.

Gerade habe ich einen wunderbare Artikel über die Unübersetzbaren Wörter (Untranslatable Words) gelesen und stimme zu: jede Sprache hat ihre Stärke, Charme und Charisma. (Was die Übersetzer in die Lage eines Sisyphus versetzt (in eine glückliche Lage, nach Camus).

Doch wie wär’s damit: warum sollen wir die Dichtung übersetzen, wo wir doch in jeder Sprache dichten können, ohne dass die Übersetzung gebraucht wird. Die Möglichkeiten und Machbarkeiten dieses Unterfanges stelle ich in meiner Video-Dichtungs-Serie „Multilinguetry“ zum Beweis.

Was ich habe:

Kenntnis von

  • Russisch 
  • Deutsch 
  • Japanisch 
  • Englisch
  • und auch Polnisch, Bulgarisch, Französisch, Italienisch und Latein in Anfängen

Was ich mache:

Ich schreibe aus meinem Herzen. Ich schreibe aus meinem Kopf. Ich nutze die Schönheit jeder Sprache. Ich nutze die Logik von jeder Sprache. Man kann die eigenen Ideen und Gefühle in der Sprache am besten ausdrucken, in welcher man es am besten fühlen kann. Und: ich vermische die Sprachen. Ich vermische sie in jene unverschämte, empörende Art und weise, die jedem Sprachpuristen schlaflose Nächte bereiten wird. Ich nutze die Sprachelemente, die ich am passendsten für den Ausdruck meiner ideen finde.

Was Sie machen:

Sie lesen meine Texte. Und Sie. Und auch Sie. Und jeder, der meine Texte liest, liest eigentlich seine/ihre eigene Dichtung. Sie müssen lediglich eine Sprache beherrschen, die in diesem Gedicht vorkommt – und die Botschaft wird bei Ihnen ankommen (Ihre persönliche Botschaft). Beherrschen Sie zwei Sprachen, bekommen Sie womöglich eine völlig andere Botschaft zu lesen. Und die Ellipsen (Auslassungen, durch unbekannte Wörter/Sprachen verursacht) schaffen eine neue Bedeutung in Ihrer Imagination. Jedes Multilinguetry Gedicht kann somit auf tausende Art und Weise gelesen werden. So probieren Sie es aus. Lesen Sie. Hören Sie. Schauen Sie. Verstehen Sie. Schreiben Sie Ihre eigene Multilinguetry.

Multilinguetry: Geist

What if my полоумный Geist
Вдруг lässt меня im Stich?
頭がクルっています,
And I уже не ich.
И где-то там das Leben goes
Its gar langweilig ways.
Но строг безумия спецназ,
And I have stets to race…

Multilinguetry: Geist (2011) from Merzmensch on Vimeo.

Multilinguetry: Light

Wo ist the difference between
光、light и Licht?
The sky isn’t clear, but pretty clean,
I’m waiting, schlafe nicht:
重い雲の思い
над головой моей,
и солнце обросло травою,
und eilt von mir away.

Multilinguetry: Light (2011) from Merzmensch on Vimeo.

Light (2011) vimeo.com/33092291

Multilinguetry: Händedruck

Händedruck
Тяжесть рук
Time is just a freaky spook.
僕の背中に
Trage Tage, days и дни.
Спотыкаюсь я о пни
Of my daily harmony.

 

 

Bin ich der Erste?

Nein. Natürlich nicht. Niemand ist der Erste. Bereits die Avantgardisten in den 1920ger kombinierten Sprachen, um neue Bedeutungen zu artikuliueren. Vergleichen Sie El Lissitzki mit seiner Illustration zum „Sieg über die Sonne“, eine russische Futuristische Oper.

ALLES IST BIEN WAS GOOD НАЧИНАЕТСЯ ET HAT NO FINITA


El Lissitzky, Title sheet for “Victory over the Sun“,1923

Versuche, die Sprachen zu vermischen, begannen bereits mit der Geburt erster Sprachen. In diese Art wurden eigentlich die neuen Sprachen geschaffen. So, wenn heute der abgedroschene Terminus „Globalisierung“ in aller Munde ist, wieso nicht die globale Noösphere zu vermischen? Das bedeutet keineswegs das Generieren einer Super-Sprache. Das bedeutet die Nutzung von der Stärke, Schönheit und Kraft jeder Sprache in dieser Welt. Eine ultimative Gedichtsprache, die keiner Übersetzung mehr benotigt. Weil Ihr Herz und Ihr Hirn in irer beste Art und Weise diese Gedichte übersetzen werden.

Dixi.

(Original finden Sie auf Medium).


Ein Kommentar

Sammelsurium

1. Es ist da!

DSC_3683

Ich mache nämlich mit bei einem Kunst-Projekt AMLP: Analog (A Million Little Pictures).
Und das geht so: man bekommt eine Wegwerfkamera mit 15 Bilder, die man im Laufe von August ablichten soll. Man schickt die 15 Bilder zurück nach Brooklyn, zwei davon werden ausgestellt, alle werden digitalisiert, und somit eine globale weltweite Sicht auf die Welt dokumentiert. Die Bewerbungsfrist ist leider schon vorbei, aber falls Sie sich dafür interessieren, Arthouse Projects bieten jede Menge spannende Kreativitäten.

***

Die industriellen Hallen von Kraftwerk Mitte erklingen im neuen Festival für Experimentalkunst Berlin Atonal 2013.

Zur Eröffnung kommt – wer sonst? – Kurt Schwitters! Und zwar in der Darstellung des Performancekünstlers Frieder Butzmann. Er sagte übrigens – und das klingt wie Musik in meinen Ohren:

Wenn ich so mitkriege, was alles geschieht weltweit – die ganzen Widersprüche, die Irrungen und Wirrungen, die Lügen, die Ängste, die Behauptungen – das ist doch alles sehr dadaistisch.

Hier in Trailer von 3sat.

***

Die Kulturzeitschrift DU ist nun digital verfügbar (nicht die neusten Ausgaben, aber nichtsdestotrotz – oder genau deswegen – sehr empfehlenswert):

http://retro.seals.ch/digbib/vollist?UID=dkm-001&id=browse&id2=browse5&id3=3

An sich ist diese Seite der digitalisierten Zeitschriften auch höchst sehenswert:

http://retro.seals.ch/digbib/home