Merzmensch

DADAistisches und dadaLOSES


19 Kommentare

Merzmensch, ausgestellt in Cabaret Voltaire

In Cabaret Voltaire gibt es eine Merz-Wand. Und Merzmensch ist ab nun für immer mit dieser Wand vermerzt.

Doch fangen wir besser so an.
R0015302-l

Oben links ist eine wunderbare Fotografie unter dem Namen „Einübung ins Hundeleben„. Oben rechts ist ein Plakat „Merzstadt“ von Yona Friedmann, es ist ein Plakat zum Symposium Merzbau 2007 „Organic Functionalism. (Rebell.tv berichtete bereits darüber). Unten ist – was sonst? – Panorama des Merzbaus von Schwitters (Modell aus dem Sprengelmuseum, Hannover)!

R0015566-l

Wie der werte Leser meines Blogs bereits weiss, war ich im Mai ein Hochzeits-Zeuge. Ein Merz-Hochzeitszeuge. Darüber werde ich noch mehr berichten (running gag, nur an werktagen geöffnet).

Nun, um nicht mit leeren Händen zu erscheinen, wollte ich etwas substantielles und immerwährendes mitbringen. Und ich realisierte die Idee, die ich in diesem Blog bereits seit vielen Jahren verfolge. Und zwar ein Anagramm.

Cabaret Voltaire = Realitaet vor abc

R0015454-lR0015455-lR0015456-l

Ich habe diesen meinen bescheidenen Dada-Beitrag feierlich dem Cabaret Voltaire überreicht (wie der einzigartige rebell berichtete).

Nun, bekam ich von Philipp Meier die wunderbarste Nachricht, dass ich aufgehängt wurde! (Es war ein sehr begebenwürdiger Tag, an dem ich geschlachtet werden sollte.) Und zwar auf der Merz-Wand!

38180_1492889515995_1046737025_1361682_7276778_nPhoto by Philipp Meier.

Nun habe ich die Ehre, mit Schwitters, Ball, Marilyn Manson und anderen sympatischen Gesellen zusammen zu hängen. Ich bin uber-glücklich. Wie ein Hut. Wie ein Hut.

Werbung


6 Kommentare

Cabaret Voltaire

Und dann war da plötzlich Cabaret Voltaire.

Cabaret Voltaire

Eigentlich waren wir gerade nach Zürich gekommen und hatten Hunger. Wir suchten nach einem futteritären Ess-Ort, fanden jedoch nichts passendes, weder neben dem Hotel, noch an der Bahnhofstrasse, dann gingen wir über eine Brücke zu Niederdorf (als unser post-fressariales Ziel entworfen), und dann…

standen wir plötzlich vor Cabaret Voltaire.

Nach einer kurzen historisch-kulturellen Analyse
Cabaret Voltaire
war uns klar: Ja, das ist Cabaret Voltaire. Wie ein Hut. Wie ein Hut. (Erfrischungsgetränke inklusive).

Uns hat also Voltaire zu sich gelenkt, da lachen die Ratten von Hameln!
Und so stürmten wir hinein, und im ersten Augenblick habe ich schon verstanden, was mir all die Jahre gefehlt hat.

Und zwar…

Cabaret Voltaire
Cabaret Voltaire
Cabaret Voltaire

Cabaret Voltaire
Cabaret Voltaire

Cabaret Voltaire

So eine einzigartige Atmosphäre hatte ich selten erlebt: alles strahlte nach Möglichkeiten, nach Dada, nach Merz.

Hugo Ball glänzte mit seinem Matt-Kostüm. Cabaret Voltaire
Kurz Schwitters lachte mit seinem MERZ-Bau. Cabaret Voltaire
Herr Hützeler (dazu später mehr) protzte mit seiner panierten Socke.

Cabaret Voltaire
Doch (oder besser: und) über diesem ganzen Wahnsinn erhob sich der verschmitzte Voltaire.
Cabaret Voltaire

Also das, meine Damen und Herren, das würde ich, der brave und naturgesetzbewusste Merzmensch, als Euphorie bezeichnen. Euphorie der elysischen Wahnsinnsekstase.  (In jedem Zeitungskiosk und als Abonnement erhältlich).

Doch es kam noch besser, es gab noch eine Hochzeit… Mit Bazon Brock als Brautführer MERZ. Aber darüber erzähle ich wohl das nächste Mal.


6 Kommentare

Silikonburka

„Wer hat’s erfunden verboten?“
ein geändertes Zitat

Minarett-Bau wurde in bereits verboten. Das Volk wurde populistischerweise geködert – und nun darf man keine Minarette mehr bauen.

So, was kommt als nächstes? Richtig! Burka. Und – schon längst laufen die Diskussionen über Burka-Verbot. Was heisst dieses Verbot eigentlich? Populistisch gesagt: „die Demutigung der Frau in der modernen Gesellschaft ist nicht zu tolerieren – daher weg mit der Burka„. Aber eigentlich wird es heissen: „die Burkaträgerinenn werden ausgesperrt, damit sie nicht die Strafe zahlen müssen„. Denn bei dieser Diskussion geht es wiederum nicht um die Frau, es geht nicht um Islam, es geht hier ums Ego der europäischen Gesellschaft, es geht um die Politik, es geht um Wählerstimmen.

Als ich neulich in Cabaret Voltaire war (Bericht kommt noch [das wird langsam zum running gag]), sah ich jede Menge sympathischer Plakate hängen, wie beispielweise diesen da:

R0015328-l

Das andere (leider nich aufgenommen) klang ungefähr wie:

„Liebe Burkaträgerinnen, lässt uns bitte nicht mit Silikonbrüstenträgerinnen alleine!“

Und jetzt habe ich gerade das Interview mit Ko-Direktor von Cabaret Voltaire, Philipp Meier gefunden, in dem es genau darum geht.

PhilippMeierIn diesem Interview heisst es: „Die Silikonbrust ist die Burka des Kapitalismus„. Wie recht hat er. Denn in der Diskussion um Burkaverbot geht es wieder um die Gefälligkeit, um das Spiel mit der europäischen „Offenheit“ und „Toleranz“, die eine Verschleierung der Frau durch Burka nicht zu tolerieren vermag.

– Doch die Silikonbruste, als Metapher (nee, eher Pars pro toto) für Schönheitswahn, was hat das mit Burka zu tun? – Fragt die Interviewerin. – Die moderne kapitalistische Gesellschaft lässt uns doch wahl zu entscheiden, ob wir mitgehen oder nicht. Wir sind frei, wir sind nicht unterdruckt. Sagt die Interviewerin, und auch einige der Kommentatoren.
Doch wie falsch liegen die alle…

Unser System ist perfider und subtiler. Uns steht alles frei – doch an jede unsere Entscheidung klammern kleine Klammeraffen wie „Status“, „Ruf“, „gesellschaftliche Akzeptanz“, und dann – siehe da: wir entscheiden uns im Endeffekt doch nicht nach unserem Gewissen, sondern so, wie es uns bequemer ist, von der Triumph-Quadriga der kapitalistischen der Konsum-der Mainstream-Gesellschaft nicht zerquetscht zu werden.

Man kann schon alles, man wird aber dann weg von der Bühne sein, und will man das? Daher tut man’s nicht.

Wenn das eine Freiheit ist?..


9 Kommentare

Merzmensch in Cabaret Voltaire

Eigentlich, ist es heutzutage fast schon banal, mit Höhlengleichnis anzufangen. Daher lasse ich Platon in Ruhe, und fange mit dem christlichen Gleichnis über den verlorenen Sohn…

…Doch
1) dazu fehlt noch der nötige Hintergrund
2) wieso eigentlich christlich?
3) das wird auch die letzten noch bis zu diesem Satz gebliebenen Leser verwirren
4) so verloren war der Sohn eigentlich auch nicht,
5) der Autor hat den Faden verloren

daher sage ich einfach:

ich habe diesmal einer merzlichen Hochzeit beiwohnen dürfen. In Zürich. In Cabaret Voltaire. Musste sein.

Doch dazu mehr – in diesem Blog. Später, und hoffentlich bald.

Jetzt aber ein Schnappschuss des Alltages an der Zürcher Bahnhofstrasse.
R0015372-l